Geben Mediziner ihren guten Namen zur Verbreitung von Pharma-Produkten?

Manche Mediziner geben in Fachzeitschriften ihren Namen für Studien her, an denen sie gar nicht beteiligt waren. Diesen Verdacht äußert der britische Nachrichtendienst "BBC News" und stützt sich dabei auf Angaben von Michael Farthing, dem Vorsitzenden des Committee on Publication Ethics (COPE). Die Mediziner handeln im Auftrag von Pharmaunternehmen, die damit ihre Produkte besser verkaufen möchten.
Was der renommierte Professor XY im renommierten Fachjournal Z als gut bewertet, muss gut sein. Vor diesem Gedankengang sind auch Ärzte nicht gefeit ? und verschreiben ihren Patienten eben dieses dort genannte Produkt. Das ist das Motiv, aus dem heraus Pharmaunternehmen medizinische Experten dafür bezahlen, dass die ihren Namen unter eine positive Medikamentenstudie setzen.

Michael Farthing von der Publikationsethik-Organisation COPE nennt keine konkreten Namen, doch er weist auf ganz konkrete Fälle hin, von denen er Kenntnis hat. So hat er selbst bei einer Zeitschrift, die er selbst mit herausgibt, kürzlich einen Aufsatz zurückwiesen, der im Verdacht stand, ein bestimmtes Produkt in ein sehr günstiges Licht zu rücken. Die Zurückweisung des Aufsatzes hat allerdings den Einsender nicht zum Nachdenken über sein Tun gebracht: Kurze Zeit später erschien der fragwürdige Artikel in einem anderen Fachblatt.

Die Folgen dieses Tuns sind durchaus merklich, so der COPE-Chairman. Selbst wenn Ärzte auf einen einzelnen Artikel hin nicht gleich ein Präparat verschreiben, so geht doch der fragliche Aufsatz in die übliche wissenschaftliche Weiterverwertung ein. Zum Beispiel finden seine Daten wieder Berücksichtigung in großangelegten Datenstudien, die Einzelstudien zusammenfassen.

Die Herausgeber britischer Fachblätter haben gerade eine Kampagne gestatet, um dieser Art von Forschungsverfälschung entgegenzutreten. Viele dieser Fachblätter sind bereits Mitglied bei COPE, deren Richtlinien eindeutig sind: Wer in einer mit COPE verbundenen Zeitschrift veröffentlichen will, muss genau seinen eigenen geistigen Anteil an der Studie offen legen und alle Geldgeber benennen.
Doris Marszk


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