Geteilte Reaktionen auf Ethikrat-Votum zu Stammzellen-Import

Die Stellungnahme des Nationalen Ethikrates zur Forschung mit Stammzellen menschlicher Embryos hat bei den Experten im Bundestag ein unterschiedliches Echo hervorgerufen. Während - unabhängig von der Parteizugehörigkeit - ein Lager begrüßte, dass sich der Ethikrat mehrheitlich für einen Import dieser Zellen ausgesprochen hat, lehnte eine andere Gruppe das strikt ab.
Der Ethikrat hatte am Donnerstag mit 16 von 25 Stimmen einen auf drei Jahre befristeten Import menschlicher embryonaler Stammzellen zu Forschungszwecken befürwortet. Dabei müssten allerdings strengste Auflagen eingehalten und sichergestellt werden, dass weder in öffentlich geförderten Forschungsinstituten noch in den Labors der Privatwirtschaft Missbrauch getrieben werde. Der Bundestag wird voraussichtlich am 30. Januar über die schwierige Frage entscheiden.

Der CDU-Parlamentarier Hubert Hüppe nannte das Votum des Ethikrats fragwürdig. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) habe das Gremium bewusst mit Befürwortern der Forschung mit Embryonalzellen besetzt. Hüppe drückte die Hoffnung aus, dass sich die Abgeordneten nicht von der Mehrheitsmeinung im Ethikrat beeinflussen lassen werden. Der CDU- Politiker ist stellvertretender Vorsitzender der "Enquete-Kommission des Bundestages Recht und Ethik der modernen Medizin" und entschiedener Gegner der Stammzellenforschung.

In der Union gibt es jedoch auch andere Stimmen. So begrüßte der CDU-Abgeordnete Peter Hintze das Votum des Ethikrates ausdrücklich. Das Gremium habe seine Stellungnahme sorgfältig gewichtet und die entscheidenden Fragen umfassend beleuchtet.

Gentechnik-Expertinnen der Grünen bekräftigten ihre Auffassung, dass es keine Forschung an embryonalen Stammzellen geben sollte. Ein Verbot des Imports von embryonalen Stammzellen sei aber verfassungsrechtlich nicht durchsetzbar. Deshalb teilten sie die Meinung des Ethikrates, einen Import nur unter strengsten Auflagen zu genehmigen, erklärten die Grünen-Abgeordneten Andrea Fischer und Ulrike Höfken in Berlin.

Die frühere Vorsitzende des Ethik-Beirats am Bundesgesundheitsministerium, Regine Kollek, kritisierte die Entscheidung des Nationalen Ethikrats, dem sie selbst angehört. Die von der Mehrheit empfohlenen Auflagen für den Stammzellenimport seien nicht effektiv, da dieser weder auf bereits existierende Stammzelllinien noch auf die Herstellung aus eingefrorenen Embryonen beschränkt werde. Der Ethikrat gehe damit "noch hinter die amerikanische Lösung zurück", sagte Kollek der "Saarbrücker Zeitung" (Freitag). Sie äußerte zudem Zweifel an der empfohlenen Befristung auf drei Jahre. "Ich glaube, dass in drei Jahren schon sehr viele Fakten (von der Wissenschaft) geschaffen sein werden."

Der SPD-Obmann in der Ethik-Enquete-Kommission, Wolfgang Wodarg, meinte, es sei nicht nur wichtig, welche Entscheidung das Parlament fälle. "Wichtig ist vor allem, dass alle Abgeordneten ihr Gewissen befragen und danach entscheiden."

Den Hintergrund der Diskussion bildet ein Projekt des Bonner Neurobiologen Oliver Brüstle, der mit importierten embryonalen Stammzellen Ersatzgewebe für kranke menschliche Gehirne züchten will. Einen Tag nach der Bundestagsabstimmung will die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) über die Bewilligung von Forschungsgeldern für das Vorhaben entscheiden.

dpa


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