Alexander von Humboldt-Stiftung vergibt höchst dotierten Preis der deutschen Wissenschaftsgeschichte

Mit zwei Millionen Mark dotiert die Nobel-Stiftung zur Zeit den bekanntesten Wissenschaftspreis der Welt. Allerdings nicht den höchsten: Mit dem Wolfgang Paul-Preis vergibt die Alexander von Humboldt-Stiftung in diesem Jahr einmalig bis zu jeweils 4,5 Millionen Mark an 14 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Spitzenklasse aus dem Ausland - und bietet ihnen Top-Forschungskonditionen an deutschen Forschungsinstituten.
Gestiftet wurde der Preis vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Die Mittel stammen aus dem Zukunftsinvestitionsprogramm der Bundesregierung (ZIP). Die Preisverleihung findet am 6. November durch die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, in Berlin statt.

"Mit diesem Preis würdigen wir wissenschaftliche Leistungen auf einem international herausragenden Niveau", erklärt Wolfgang Frühwald, Präsident der Humboldt-Stiftung. Insgesamt wurden 70 Forscher aus 23 Ländern von deutschen Forschungseinrichtungen für den Wolfgang Paul-Preis nominiert.

Ziel des Wolfgang Paul-Programmes ist es, den Preisträgern die bestmöglichen Arbeitsbedingungen an einer Forschungseinrichtung in Deutschland zu bieten. "So können die besten Köpfe aus dem Ausland frei von administrativen Zwängen ihre Forschungsprojekte vorantreiben - und auch in Deutschland eigene Arbeitsgruppen mit hoch qualifizierten jüngeren Wissenschaftlern aufbauen", sagt Frühwald.

Die USA sind das Herkunftsland von acht der 14 Preisträger. Drei weitere Preisträger forschen derzeit noch in der Russischen Föderation. Je ein Wissenschaftler arbeitet in Großbritannien, Ungarn und Italien. "Das Ergebnis zeigt, dass es deutsche Centers of Excellence gibt, die auch für diese hoch mobile Berufsgruppe attraktiv sind", schließt Frühwald. Denn unter den acht Preisträgern aus den USA befinden sich nur zwei gebürtige US-Amerikaner. Drei der US-Preisträger stammen ursprünglich aus Deutschland, zwei aus Großbritannien, einer aus Italien. "Die USA sind nach wie vor das starke Forschungsland. Doch dieses Programm bietet offensichtlich so attraktive Bedingungen, dass auch Deutsche, die ihre Zukunft in den USA sahen, wieder nach Deutschland kommen."

Auffällig ist der hohe Anteil von ausgezeichneten Forschern aus den Lebenswissenschaften mit sechs von 14 Preisträgern. Sechs weitere stammen aus der Physik, der Mathematik, der Informatik, den Ingenieur- und den Geowissenschaften. Die Geisteswissenschaften vertreten ein Philosoph und eine Sprachwissenschaftlerin. Die Verteilung ist insofern verblüffend, da bei der Auswahl nur die wissenschaftliche Exzellenz bewertet wurde: Für einzelne Fächer gab es keine Quoten.

"Die Fächerverteilung zeigt aber auch, dass die Lebens- und Naturwissenschaften die Notwendigkeit der Internationalisierung viel stärker erkannt haben", meint Frühwald. "Wir haben aus dem Kernbereich der Geisteswissenschaften in Deutschland kaum eine Nominierung für das Wolfgang Paul-Programm bekommen".

Das Durchschnittsalter der Preisträger liegt bei 43 Jahren. Der jüngste Forscher ist 35. Das Höchstalter liegt bei 50 Jahren. Dadurch legt der Preis den Grundstein für einen langfristigen internationalen Austausch von Know-how und dauerhafte Forschungskooperationen der Spitzenklasse.

Der Namenspatron Wolfgang Paul (1913 - 1993) gilt als Pionier auf dem Gebiet der Teilchenphysik. Der Physiker wurde 1939 in Berlin promoviert und habilitierte sich 1944 an der Universität Göttingen. 1952 wurde Paul Direktor des Physikalischen Instituts an der Universität Bonn. Für die Entwicklung einer "Ionen-Falle", mit deren Hilfe Atomkerne "eingefangen" werden können, erhielten Wolfgang Paul und der Humboldt-Forschungspreisträger Hans G. Dehmelt zusammen mit Norman F. Ramsey den Nobelpreis für Physik 1989. 1979 wurde Paul zum dritten Präsidenten der Alexander von Humboldt-Stiftung gewählt und hatte diese Amt zehn Jahre lang inne.

Als führende Organisation zur Förderung ausländischer Spitzenwissenschaftler ermöglicht die Humboldt-Stiftung jährlich über 1.800 Forscherinnen und Forschern aus aller Welt eine wissenschaftliche Tätigkeit in Deutschland. Das Humboldt-Netzwerk hält die Verbindung zu über 20.000 Humboldtianern in 130 Ländern langfristig aufrecht.
Florian Klebs (Humboldt-Stiftung)


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