Biosphäre 2: Vom futuristischen Experiment zur Forschungseinrichtung

Es sollte ein Test für das Leben des Menschen auf dem Mars oder anderen Planeten werden. In dem futuristischen Projekt Biosphäre 2 versuchten vier Männer und vier Frauen zwei Jahre lang völlig abgeschlossen von der Außenwelt zu überleben. Doch es scheiterte - zu häufig benötigten die Testpersonen Hilfe von außen. Zehn Jahre nach dem Start ist in der Wüste Arizonas dennoch eine Forschungsstätte erhalten geblieben, die unter der Leitung der New Yorker Columbia Universität auch deutsche Forscher anzieht.
Wissenschaftler aus aller Welt können in der Nähe von Oracle an verschiedenen Projekten zu Umweltfragen arbeiten. Die Bedingungen dafür haben sich jedoch erheblich verändert. Das erste Forscherteam zog am 26. September 1991 in die "Käseglocke" ein und lebte trotz aller Pannen für zwei Jahre mehr oder weniger von der Umwelt isoliert. Heute herrscht lebendiges Kommen und Gehen.

Die Bewohner der Kuppel nannten sich Bionauten und ihr Ziel war es, ohne Hilfe und Einflüsse von außen zu überleben - abgesehen vom Sonnenlicht. Unter der Kuppel war für sie in vier Jahren Bauzeit auf 13 000 Quadratmetern Fläche eine Miniwelt mit Regenwald, Wüste, Savanne, einem Ozean und Felder für Landwirtschaft geschaffen worden.

Die geplanten zwei Jahre hielten die acht Menschen durch, doch das System wurde mehr als 20 Mal geöffnet. Unter anderem war der Sauerstoff auf ein für die Gesundheit schädliches Maß gesunken und musste zugeführt werden. Der Versuch zur Vorbereitung auf etwaige Langzeit-Flüge zum Mars galt als gescheitert und war schon vorher in der wissenschaftlichen Welt mehr als umstritten.

Haupt-Geldgeber war der texanische Ölmilliardär Edward Bass, der rund 150 Millionen US-Dollar in das ehrgeizige Unternehmen steckte. Die Idee wie aus einem Science-Fiction-Roman war in den 70er Jahren in einer Kommune im amerikanischen Santa Fe (New Mexico) entstanden. Renommierte Forscher sollten das High-Tech-Projekt begleiten, zahlreiche sprangen jedoch ab, unter anderem Mitarbeiter der US- Raumfahrtsbehörde NASA.

Ein Mangel an wissenschaftlichem Hintergrund wurde den Bionauten und Bass zugeschrieben. Biosphäre 2 geriet gar in den Ruf eines zweifelhaften New-Age-Projektes. Dazu kamen interne Querelen und Entlassungen, Sabotageakte und Pannen über Pannen. Versehentlich eingeschleppte Ameisen breiteten sich rasant aus und wurden zur Plage. Die für die Bestäubung von Pflanzen unabdinglichen Bienen starben hingegen aus, so dass die Bionauten die Blüten von Hand bestäuben mussten.

Noch einmal zogen im März 1994 sieben Bionauten ein, darunter Bernd Zabel aus Deutschland, doch der Versuch wurde nach einem halben Jahr wegen zweifelhaften Nutzens abgebrochen. Zeitgleich begann jedoch die Zusammenarbeit mit der Columbia-Universität. Seit 1996 liegt die wissenschaftliche Betreuung an der Hochschule, Teamleiter ist derzeit Charles Barry Osmond.

Auch der Deutsche Achim Walter plant, von Januar 2002 an für zwei Jahre in dem Gebilde in der Wüste zu arbeiten. Der Biologe und Physiker vom Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Heidelberg will mit digitalen Kameras das Wachstum von einzelnen Blättern verschiedener Pflanzen beobachten. In Zusammenarbeit mit einem deutschen Kollegen will er zudem zeitgleich Daten zur Photosynthese messen, eine Reaktion, mit der Pflanzen Sauerstoff produzieren.

"Ziel ist es, herauszufinden, wie die Pflanzen auf unterschiedlichen Umweltstress, wie etwa veränderte Kohlendioxidpegel, erhöhte Temperatur oder Rodung aller benachbarten Pflanzen reagieren", erklärt Walter. Er hofft, dass seine Versuche "im Kleinen" Rückschlüsse auf das gesamte Ökosystem zulassen. "Zeitgleich beobachten andere Forscher, wie die Pflanzen in Biosphäre 2 insgesamt reagieren." Seine Frau und sein Kind werden den Wissenschaftler für zwei Jahre begleiten.

Anfang 2000 bekräftigten die Columbia-Universität und Edward Bass, der immer noch Besitzer ist, das Biosphäre 2 um weitere zehn Jahre verlängert wird. Ursprünglich war es auf 100 Jahre angelegt. Die Forschungsprojekte zu Flora und Fauna in der Kuppel sollen ausgebaut, die Studentenprogramme erweitert werden.

Zudem war und ist Biosphäre 2 eine nicht mehr weg zu denkende Touristenattraktion Arizonas, die jährlich 180 000 Besucher anlockt. Für rund 13 US-Dollar (28 Mark, 14 Euro) können Interessierte eine Tour über das Gelände buchen, für weitere 10 US-Dollar ist ein Rundgang unter der "Käseglocke" zu haben.

Christiane Löll

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