Medizinische Zeitschriften schliessen Reihen gegen Einfluss der Pharmaindustrie

Führende medizinische Zeitschriften weltweit haben Massnahmen gegen die Verfälschung von Forschungsergebnissen unter anderem durch die pharmazeutische Industrie angekündigt. Die Chefredakteure der Zeitschriften erklärten einstimmig, künftig werde man von Wissenschaftlern vor der Veröffentlichung ihrer Studien eine Erklärung über mögliche Interessenkonflikte verlangen.
Demnach sollen die Autoren einer klinischen Studie vor der Veröffentlichung der Ergebnisse bestätigen, dass sie die volle Verantwortung für die Durchführung der Untersuchung übernehmen, Zugang zu allen Daten hatten, bei der Interpretation der Daten mitgewirkt haben und auch die Entscheidung zum Publizieren der Studie getroffen haben.

Denn zunehmend werden klinische Studien nicht von unabhängigen Universitäten, sondern von privaten Unternehmen vorgenommen, so die Chefredakteure. Für die pharmazeutische Industrie ist diese Vorgehensweise kostengünstiger. Um dennoch Forschungsgelder von der Industrie zu erhalten, haben in den vergangen Jahren immer wieder auch unabhängige Wissenschaftler drastische Einschränkungen ihrer Urteilskraft akzeptiert.

Renommierte Journale wie The Lancet und The Journal of the American Medical Association aber auch die Zeitschriften der Ärzteverbände von Kanada, Norwegen, Neuseeland, Australien und den Niederlanden haben sich der Initiative angeschlossen.

"Als Chefredakteure von medizinischen Zeitschriften wissen wir, dass die Veröffentlichung von klinischen Studien in anerkannten und von Gutachtern beurteilen Journalen die Basis für die meisten Entscheidungen in der medizinischen Praxis ist", schreiben die Chefredakteure in einem gemeinsamen Editorial.

"Patienten nehmen selbstlos an klinischen Studien teil, um das medizinische Wissen voranzutreiben. Unter diesem Gesichtspunkt ist es ein Hohn, dass klinische Studien vor allem zur Vermarktung (von medizinischen Produkten) verwendet werden."

Das British Medical Journal hat die Erklärung nicht unterzeichnet, unterstützt jedoch die Übereinkunft der Chefredakteure der Wissenschaftszeitschriften. Richard Smith, Chefredakteur der Zeitschrift, sagte, es gebe Fälle, in denen Wissenschaftler praktisch keine Kontrolle über die Forschung hätten, die sie unternehmen. Häufig hätten pharmazeutische Unternehmen die Interpretation der Daten übernommen und die Veröffentlichung verhindert, wenn ihnen Ergebnisse nicht gefielen.

Die neuen Richtlinien richten sich jedoch nicht ausschliesslich an die Pharmaindustrie, so die Chefredakteure. Auch andere Organisationen, beispielsweise Regierungen, könnten Einfluß auf die Durchführung und Interpretation von wissenschaftlichen Studien nehmen.
Adam Bostanci


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