Niedersachsens Wissenschaftsminister für Forschung mit Stammzellen

Niedersachsens Wissenschaftsminister Thomas Oppermann (SPD) hat sich erneut für eine kontrollierte Forschung an embryonalen Stammzellen ausgesprochen. "Wir müssen abwägen zwischen der Achtung vor dem Embryo und der Würde des Menschen, der auf neue Therapien hofft", sagte Oppermann am Freitag während eines Hearings im Landtag in Hannover über die Möglichkeiten und Grenzen der Stammzellforschung. Viele kranke Menschen setzten große Hoffnungen auf die neuen Möglichkeiten der Medizin. "Mit diesen Hoffnungen dürfen wir nicht leichtfertig umgehen."
Der renommierte Herzspezialist Axel Haverich von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ging bereits einen Schritt weiter und befürwortete auch das therapeutische Klonen. "Nur so können wir patienteneigene Zellen herstellen, die nicht abgestoßen werden." Haverich will mit den embryonalen Stammzellen Herzmuskelgewebe züchten, das Infarktpatienten eingesetzt werden könnte. Da er aus den embryonalen Stammzellen nur Gewebe züchten wolle, sei dies "moralisch nicht verwerflich". Beim therapeutischen Klonen soll ein Embryo aus dem Erbgut des Patienten und einer entkernten Eizelle hergestellt werden. Er würde anschließend zur Entnahme von Stammzellen zerstört.

Auch der Jurist Hans-Ludwig Schreiber (Universität Göttingen) plädierte für die Forschung an embryonalen Stammzellen, die in Deutschland verboten ist. "Wann menschliches Leben beginnt, lässt sich nicht sagen." In Deutschland ist durch das Embryonenschutzgesetz jegliche Forschung bereits an befruchteten Eizellen verboten. "Befruchtete Eizellen führen aber nur in einem Drittel der Fälle zu einer Schwangerschaft", sagte Schreiber. Die Schwangerschaft und menschliches Leben beginne für ihn, wenn sich die befruchtete Eizelle im Mutterleib eingenistet habe. Bei embryonalen Stammzellen, die außerhalb des Mutterleibes hergestellt werden, sei die "Menschenwürde daher nicht verletzt".

Der evangelische Theologe Klaus Tanner (Universität Halle) betonte, dass es ein einfaches "Entweder - Oder" nicht gebe. "Um Heilen zu können, wird oft die Zerstörung in Kauf genommen." Wenn man jedoch befruchteten Eizellen eine Menschenwürde zubilligen würde, müssten in Deutschland auch die Abtreibung und die Verhütung mit der Spirale wieder verboten werden.

Vertreter aus Biowissenschaften, Medizin, Recht und Ethik wollen noch bis Samstag über die Möglichkeiten und Grenzen der Stammzellforschung diskutieren. Eingeladen hat die Stiftung Niedersachsen.

dpa


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