Ethikrat-Chef Simitis: Verbote für Forschung sind illusorisch

Der Vorsitzende des Nationalen Ethikrates, Spiros Simitis, hält Forschung für nicht lenkbar. "Es ist illusorisch, Forschung steuern zu wollen, sie an bestimmte Prämissen binden zu wollen und sie mit Verboten zu versehen", sagte der Professor in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Simitis begründet dies damit, dass Forschung stets auf Neugier beruhe.
Gremien wie der Ethikrat müssten damit leben, der Entwicklung in der Forschung hinterher zu laufen: "Man läuft ständig Gefahr, überholt zu werden. Kaum hat man etwas gesagt, kann man es fast wieder vergessen. Damit muss man leben", sagte Simitis, der an der Universität Frankfurt Rechtsinformatik lehrt. Von 1975 bis 1991 war er hessischer Datenschutzbeauftragter. Am 8. Juni wurde er zum Vorsitzenden des Nationalen Ethikrats gewählt, der am 27. September das nächste Mal zusammentreffen will.

Als eines der größten Probleme des Ethikrates bezeichnete Simitis, "dass niemand genau weiß, wer wo was im Einzelnen tut". Relativ gut sei die Gesellschaft über die Forschung an öffentlichen Einrichtungen informiert, wenig über die Aktivitäten privater Firmen. "Außerhalb der Universitäten, außerhalb der öffentlichen Institutionen beginnt das große Dunkelfeld", beklagte er.

Dennoch hält Simits die Einrichtung des Ethikrats für sinnvoll: Die biopolitische Debatte habe sich stark zugespitzt, die Meinungen lägen weit auseinander. Der Rat habe vor allem die Aufgabe, "die Argumente aufzubereiten und für die parlamentarische Auseinandersetzung zur Verfügung zu stellen". Darüber hinaus werde der Rat versuchen, eine Reihe von allgemeinen Grundsätzen zu formulieren. "Ob man die Entwicklung aufhalten kann, oder ob man sie in eine bestimmte Richtung steuern soll, gehört zu den Fragen, mit denen wir uns auseinander setzen wollen."
dpa


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