Clement plant keinen Alleingang bei Import von Stammzellen

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) hat auf die massive Kritik an seinem Vorstoß zur Forschung mit embryonalen Stammzellen reagiert. Er plane keinen Alleingang in dieser Frage, sondern wolle die Entscheidung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Nationalen Ethikrats abwarten, stellte Clement am Dienstag in Düsseldorf klar.
Clement sprach von einem "Missverständnis". "Ich habe von Israel aus nichts präjudiziert." Dies habe er auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in einem Telefonat gesagt. Schröder hatte indirekt Kritik am Vorpreschen Clements geübt. Der Kanzler hätte es besser gefunden, wenn das Thema zunächst im Ethikrat besprochen worden wäre, hieß es. Der Rat tagt am Freitag erstmals. Unterdessen dauerte die Kritik an Clement an.

Bei dem Streit geht es um den Import von embryonalen Stammzellen. Clement unterstützt das Vorhaben von Bonner Forschern, diese Zellen aus Israel einzuführen, um daraus Zellen für Menschen mit erkranktem Gehirngewebe zu züchten. Clement hatte vorige Woche ein Institut in Haifa besucht, das bereit ist, diese Zellen zu liefern. Die Gewinnung solcher Zellen zu Forschungszwecken ist in Deutschland verboten. Der Import dieser Zellen und die Forschung damit gelten dagegen als möglich. Dies wird als Gesetzeslücke angesehen.

Clement verteidigte nochmals seine Initiative. Er kündigte an, er werde in dieser Frage auch das Gespräch mit den Kirchen suchen. Seinen Kritikern warf er vor, die internationale Entwicklung in der medizinischen Forschung nicht ausreichend zur Kenntnis zu nehmen. Dagegen hat sich Schröder gegen übereilte Entscheidungen im Umgang mit der Gentechnik gewandt. Die rot-grüne Bundesregierung plant vor der Bundestagswahl 2002 keine umfassende Gesetzesneuregelung mehr.

Auch SPD-Generalsekretär Franz Müntefering und SPD-Fraktionschef Peter Struck warnten Clement vor Vorgriffen. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, "dass alles schon vorherbestimmt sei", sagte Müntefering im NDR. Struck nannte den Vorstoß Clements in einem dpa- Gespräch unangemessen. Bei einer Entscheidung werde man sich auf die Vorarbeiten der Enquete-Kommission des Bundestags und des Ethikrats stützen. Zunächst müsse geklärt werden, welche Handlungsmöglichkeiten das Embryonen-Schutzgesetz erlaube.

Die grüne Gentechnik-Expertin Andrea Fischer appellierte an Clement, "den Geist des Embryonenschutz-Gesetzes" zu respektieren. "Wir wollen nicht an Material arbeiten, das durch die Tötung von Embryonen gewonnen wird", sagte Fischer im Deutschlandradio Berlin. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel warf Clement vor, mit seinem Vorpreschen den Bundestag zu brüskieren. "Clement will durch die Hintertür Fakten schaffen."

Gegenwind bekam Clement auch aus der nordrhein-westfälischen Regierung. Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) zeigte sich überrascht von seinem Vorstoß. Im Deutschlandfunk warnte sie vor einem Unterlaufen des Embryonenschutzgesetzes. NRW- Wissenschaftsministerin Gabriele Behler (SPD) meldete Zweifel an, ob die Forschung an importierten embryonalen Stammzellen legal und wünschenswert sei.
dpa


Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Was kommt dabei heraus, wenn sich Alice nicht ins Wunderland verirrt, sondern in eine Vorlesung über Quantenphysik? Eine Reise als intellektueller und ästhetischer Genuss.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe