Unionspolitiker fordern Grenzen bei der Genforschung

In der anhaltenden Diskussion um den Umgang mit der Gentechnik haben sich die Unionsparteien für rechtliche Grenzen ausgesprochen. Die CSU lehnte das therapeutische Klonen entschieden ab. CDU-Vize-Vorsitzender Jürgen Rüttgers forderte am Freitag im Südwestfunk "Grenzpfähle". Auf der anderen Seite müsse aber der Forschung Möglichkeiten eröffnet werden, um anderen Menschen im Krankheitsfall zu helfen. Bundesärztekammerpräsident Jörg-Dietrich Hoppe plädierte für die Ausrichtung auf alternative Möglichkeiten der Medizin.
Die CDU will am kommenden Montag ein unter Federführung von Rüttgers erarbeitetes Positionspapier zur Genforschung in ihren Spitzengremien erörtern. In dem Papier heißt es, dass die CDU die umtrittenen Diagnose-Methoden von Gentests an Embryonen "nicht grundsätzlich ablehnt".

Im DeutschlandRadio Berlin sagte Hoppe, die Forschung an erwachsenen Stammzellen sei im Gegensatz zu der an Embryonen ethisch vertretbar. "Erst wenn diese Forschungen ausgereizt sind, sollte man sich die anderen Verfahren noch einmal sehr sorgfältig ethisch überlegen, denn, wenn man sofort auf dieses Verfahren der Ausnützung von Embryos geht, dann hat man keinen Druck mehr, die beiden anderen Methoden parallel zu untersuchen."

CSU-Generalsekretär Thomas Goppel sprach sich indirekt auch gegen die Präimplantationsdiagnostik (PID) aus. "PID bedeutet, dass wir häufiger im Reagenzglas operieren als im Mutterleib. Das hat das Lebewesen nicht verdient", sagte er im InfoRadio Berlin. Rüttgers sagte, in seiner Partei bestehe breiter Konsens, darüber, dass menschliches Leben nicht getötet und der Mensch nicht verzweckt werden dürfe. Die CDU dürfe es sich aber nicht so einfach machen und die Position von Bundespräsident Johannes Rau übernehmen.

Nach Worten der früheren Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) lehnt die Mehrheit der Grünen die Forschung an Embryonen ab. Im Westdeutschen Rundfunk sagte sie, man dürfe nicht menschliches Leben nutzen, um anderem menschlichem Leben zu dienen. Laut Fischer ist es vorstellbar, im Bundestag gemeinsam mit CSU-Abgeordneten gegen die Präimplantationsdiagnostik zu stimmen. Sie sehe darin auch keinen Widerspruch zu der Tatsache, dass die Grünen für die Straffreiheit der Abtreibung gestimmt haben.

Die Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts Jutta Limbach sagte, Forschungsfreiheit gehöre zwar zu den Grundrechten, die gesellschaftlichen Folgen wissenschaftlicher Vorhaben müssten jedoch stets bedacht werden. "Die Freiheit eines Forschers ist ein dienendes Grundrecht wie die eines Richters", appellierte Limbach am Donnerstagabend in Erlangen an die Wissenschaftler. Die Urteile des Bundesverfassungsgerichts über den Schutz ungeborenen Lebens von 1975 und 1993 gestatteten allerdings keine Aussage über den Grundrecht-Status einer Reagenzglas-Befruchtung.

Für eine eindeutige rechtliche Regelung zum Schutz der Embryonen auch außerhalb des Mutterleibes plädierte die Präsidentin des Bundes Deutscher Hebammen, Magdalene Weiß. Sie forderte Mediziner und Gesetzgeber auf, Forschungsinteressen nicht über die Würde des Menschen zu stellen. Fortpflanzung dürfe nicht weiter technisiert und "in das Forschungslabor" verlagert werden.
dpa


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