US-Forscher Rifkin warnt vor "primitiver Debatte" um Biotechnik

Vor der Gefahr einer "primitiven Debatte" um die Anwendung von Biotechnologie in der Medizin hat der international bekannte US-Ökonom und Trendforscher Jeremy Rifkin gewarnt. Die jetzigen Diskussionen etwa um die Menschenwürde von Embryonen seien nur "erste Vorzeichen" gravierender Dispute, wobei die Frage "pro oder contra Zukunftsgestaltung" deutlich zu kurz greife, sagte Rifkin am Mittwoch in Düsseldorf zu Beginn eines Kongresses "Biomedizin ohne Grenzen".
Rifkin: "Wir werden schwierige Debatten und Kämpfe ausfechten, bis wir das Zeitalter der Biologie richtig definieren." Jede Festlegung nach einem Schwarz-Weiss-Schema stamme aus einer überholten Industrie-Epoche.

Nachdem als "große Leistung der Menschheit" die Sklaverei abgeschafft worden sei, drohe nun durch die Patentierung ein Eigentumsrecht von Biotech-Firmen an ungeborenem Leben, sagte Rifkin, der weltweit als Berater von Regierungen tätig ist. Eine aus der neuen Biotechnik entstehende "neue kommerzielle Eugenik wird friedlich und marktgerecht auf Verbraucherwunsch daherkommen" und möglicherweise auch zum Designer-Baby führen. Diese Auswahl von Leben nach Gesichtspunkten des Marktes werde aber "genau so gefährlich werden wie die soziale Eugenik", warnte Rifkin.

Als ein "vormodernes Instrument der Politik" hat der Präsident des Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen, Prof. Gert Kaiser, den gerade einberufenen Nationalen Ethikrat bezeichnet. Bei den bedeutenden Fragen der Biomedizin müssten die Entscheidungen im engen Dialog mit der Öffentlichkeit und nicht unter Experten getroffen werden, sagte Kaiser: "Man muss den Ethikrat wissen lassen, dass das demokratische Zeitalter auch die Wissenschaften erreicht hat." Während des eintägigen Symposions in Düsseldorf befassen sich auf Einladung des Wissenschaftszentrums NRW Experten unter anderem mit den Rechten der Embryonen und Fragen der Stammzellen-Forschung.

dpa


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