Life Sciences auf vielen europäischen Arbeitsmärkten wenig gefragt

Europas Wohlstand könnte langfristig gefährdet sein, sollte es nicht gelingen, Angebot und Nachfrage an Arbeitskräften in den Bereichen Wissenschaft und Technik in Übereinstimmung zu bringen. Zu diesem Ergebnis kommt eine dreijährige Studie des Institute for Employment Studies (IES) an der University of Sussex, die jetzt von der Europäischen Kommission veröffentlicht wurde.
Für hochqualifizierte Biologen, Chemiker und Ingenieure bestimmter Fachrichtungen gibt es in vielen europäischen Ländern nicht genug Arbeitsplätze. Gleichzeitig bleiben viele Stellen im IT-Bereich wegen eines Fachkräftemangels unbesetzt. Am schwierigsten sei es derzeit für Absolventen der Life Sciences in Deutschland, Schweden, Großbritannien oder den Niederlanden, eine Stelle zu finden, berichtet Richard Pearson vom IES. Arbeitssuchende mit Doktorgrad hätten auch in Frankreich Probleme. Insgesamt hätte sich die Anzahl der in der Forschung tätigen Wissenschaftler und Ingenieure in Europa jedoch von rund 500.000 im Jahre 1985 auf 800.000 im Jahr 1995 erhöht. Zwei Drittel davon entfallen auf Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

Wie Pearson und seine Kollegen vom niederländischen Research Centre for Education and the Labour Market feststellten, rekrutieren Unternehmen nach wie vor überwiegend Fachkräfte aus dem jeweiligen Inland. Anzeichen für einen "Brain Drain", eine zunehmende Abwanderung von wissenschaftlichen Fachkräften aus Europa gäbe es bislang nicht. Arbeitgeber in den Bereichen Forschung und Entwicklung bevorzugten bei der Einstellung zunehmend Absolventen, die neben technischem Fachwissen auch Kommunikationsfähigkeit und wirtschaftliches Verständnis vorweisen könnten. Obwohl über 50 Prozent der Hochschulabsolventen in den meisten europäischen Ländern weiblich seien, betrage der Frauenanteil in der Forschung und in Ingenieurberufen derzeit lediglich 20 Prozent, so die Studie.

Kritisch äußerten sich die an der Studie beteiligten Wissenschaftler über die Qualität der zur Verfügung stehenden Daten. Die innerhalb der EU veröffentlichten Daten über Studierende, Hochschulabsolventen und Arbeitskräfte in den Bereichen Wissenschaft, Forschung und Technik seien fehlerhaft und unvollständig. Sie fordern daher die Einrichtung eines europäischen Observatoriums für Wissenschaft und Technologie, das wichtige Trends und Entwicklungen beobachtet und veröffentlicht.

Almut Bruschke-Reimer


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