Nida-Rümelin verteidigt Äußerungen zu Embryo-Klonen


Der Staatsminister für Kultur, Julian Nida-Rümelin (SPD), hat seine umstrittenen Äußerungen zum therapeutischen Klonen verteidigt. Er habe "ausdrücklich gegen die britische Entscheidung" plädiert, Embryo-Klone für die Medizin freizugeben, sagte Nida-Rümelin dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Seine Äußerung, Embryonen genössen nicht im vollen Maße Menschenwürde, da sie nicht zur Selbstachtung fähig seien, sei missverstanden worden.

Erneute Kritik an der Äußerung kam vom Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, und dem umweltpolitischen Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Reinhard Loske. Der Grünen Politiker sagte, er glaube aber nicht an einen Kurswechsel der Regierung in Fragen der Bio-Medizin.

"Ich habe die Menschenwürde zu keiner Zeit aufweichen oder gar aushebeln wollen", sagte der Staatsminister. Er finde es vielmehr "schwer verständlich" an der gegenwärtigen Abtreibungsregelung, "dass man die straffreie Tötung eines Trägers der Menschenwürde moralisch akzeptiert". Er sei überzeugt, "dass das Leben als solches, nicht nur das menschliche, schützenswert ist, ja dass man verpflichtet ist, auf alle empfindenden Lebewesen Rücksicht zu nehmen". Zum therapeutischen Klonen wollte sich Nida-Rümelin nicht festlegen: Sollten durch das Klonen von Embryonen neue Heilungschancen entstehen, so wäre es falsch, "von vornherein zu glauben, man wisse, welche Entscheidung die richtige ist", sagte er.

Loske kritisierte am Samstag im DeutschlandRadio Berlin die Äußerung Nida-Rümelins, "weil es die Ehrfurcht vor dem Leben gebietet, sehr vorsichtig zu sein in dieser Frage". "Wir müssen die ethisch verantwortbaren Potentiale der Gentechnik nutzen - da besteht zwischen den Koalitionsfraktionen völliges Einvernehmen - aber hier greifen wir in potenzielles Leben ein. Und so einfach, wie es sich Herr Nida-Rümelin gemacht hat, kann man es sich nicht machen", sagte Loske. Er verwies darauf, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sich dagegen ausgesprochen habe, dass Forschung mit embryonalen Zellen stattfinden soll.

Loske wandte sich dagegen, die Diskussion über die Bio-Medizin mit der Abtreibungsdebatte zu vermengen. "Es ist nicht so, dass die Abtreibung erlaubt ist. Sie ist nicht erlaubt und wird in bestimmten Grenzsituationen vom Staat nur nicht strafrechtlich verfolgt", sagte Loske. Nida-Rümelin müsste sich in diese Differenzierung einfühlen.

Auch Wetter mahnte erneut die strenge Einhaltung ethischer Grundsätze in der Wissenschaft an. Wenn er die Äußerungen Nida- Rümelins richtig interpretiere, bereite die politische Macht das Terrain vor, auf dem ein ungehinderter Zugriff auf menschliches Leben möglich sei. Sie sei dabei, "sich selbst das Definitionsrecht zuzuschreiben, was der Mensch ist", sagte der Erzbischof bei seinem traditionellen Neujahrsempfang am Freitagabend in München.

dpa

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