Die Überlieferung von der bösen Schwiegermutter kommt nicht von ungefähr

Das in vielen Überlieferungen geprägte Bild der bösen Schwiegermutter könnte auf einen wahren Kern zurückgehen: Verhaltensbiologen der Universität Gießen haben herausgefunden, dass Kinder im 18. und 19. Jahrhundert ein sehr viel höheres Sterberisiko hatten, wenn sie mit ihrer Großmutter väterlicherseits zusammenlebten. Das berichten die Forscher im britischen Wissenschaftsmagazin "New Scientist" (Ausgabe vom 14. September 2002, S. 17).
Eckart Voland und sein Kollege Jan Beise durchforsteten alte Kirchenregister und untersuchten die Lebens- und Sterbedaten von Bauernfamilien einer norddeutschen Region. Dabei stellten sie fest, dass Säuglinge ohne die Mutter ihres Vaters oftmals besser dran gewesen wären: Denn mit ihrer Oma im Haus hatten sie eine geringere Überlebenschance. Kümmerte sich dagegen die Großmutter mütterlicherseits um den Nachwuchs, überlebten die Babys wesentlich häufiger.

Entwicklungsgeschichtlich mache es Sinn, dass nur die Mütter der Mütter ausgiebig für die Kleinen sorgten, meinen die Forscher. Diese Großmütter konnten sicher sein, ihre eigenen Nachkommen zu pflegen. Die Mütter der Väter dagegen mussten fürchten, mit ihrer Pflege ein fremdes Enkelkind großzuziehen. Dieser Argwohn belastete das Verhältnis zu den Schwiegertöchtern und wirkte sich möglicherweise auch negativ auf die Gesundheit der Kinder aus.

ddp/bdw - Carolin Muck


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