Soziologe: Kommunismus konnte den Glauben nicht verdrängen

Der Kommunismus in den ehemaligen Ostblockländern hat trotz staatlicher Unterdrückung keinen längerfristigen Einfluss auf die Religion nehmen können. Zwar schritt die Verweltlichung schneller voran als in den westeuropäischen Demokratien, geht jedoch seit dem Zusammenbruch des Kommunismus wieder zurück. Die Religion lebt wieder auf und die Zahl der Gläubigen nimmt zu. Zu diesem Ergebnis kommt Heiner Meulemann vom Institut für Angewandte Sozialforschung der Universität Köln.
Datenbasis der Untersuchung des Soziologen ist eine Umfrage, die in den Jahren 1991 und 1998 in neun west- und fünf osteuropäischen Ländern durchgeführt wurde. Mit Hilfe von Fragen über Gott und die Bibel können Soziologen das Verhältnis der Teilnehmer zum Glauben bestimmen. Im Westen veränderte sich diese Haltung im Zeitraum von 1991 und 1998 nur gering. Im Osten ist der Grad der Verweltlichung, die so genannte Säkularisierung, 1991 höher als im Westen. Die Einflüsse der staatlichen Unterdrückung sind in dieser Umfrage noch deutlich sichtbar. Bis 1998 erfolgt dann jedoch ein spontanes, wenn auch nicht vollständiges Wiederaufleben der Religiosität.

Je höher das Ansehen der Kirchen ist, desto schwieriger ist es, Glauben mit staatlichen Zwangsmitteln zu unterdrücken. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die nationale Identität. Wenn sie religiös fundiert ist, ist die Unterdrückung des Glaubens schwierig. Polen ist deshalb ein Sonderfall unter den osteuropäischen Ländern. In diesem Land konnte die Verweltlichung nie durchgesetzt werden, da die katholischen Wurzeln der Bevölkerung zu stark waren. Auch nach der staatlichen Unterdrückung ist die Quote der Gläubigen in Polen höher als in den westeuropäischen Ländern. Im Gegensatz dazu ist Ostdeutschland das am höchsten säkularisierte Land. Gründe dafür sieht der Kölner Soziologe unter anderem in der protestantischen Vergangenheit des Landes.

idw


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