Über 1000 Jahre alte asiatische Schrift entschlüsselt

Einem Sprachforscher der Universität des Saarlandes ist es gelungen, eine der beiden Varianten der nordturkistanischen Kharoshthi-Schrift zu entziffern. Es handelt sich dabei um Zeugnisse einer Sprache, die etwa bis ins sechste oder siebte Jahrhundert nach Christus an der nördlichen Seidenstraße im Königreich Kutscha, gebietsweise aber auch an der südlichen Seidenstraße, im Schriftverkehr der staatlichen Verwaltung und des Handels verwendet wurde.
Diese Schrift, die sich bisher der Entzifferung widersetzte, ist durch etwa 20 Textzeugnisse belegt. Sie sind, wie sich jetzt herausstellt, nicht in einer, sondern in zwei deutlich voneinander geschiedenen Varianten geschrieben. Dem Saarbrücker Spezialisten für indogermanische Sprachen Klaus T. Schmidt ist es gelungen, eine der beiden Varianten zu entziffern und die in den Sprachzeugnissen dokumentierte Sprache als mittelindisch, als ein Nordwestprakrit, zu bestimmen, berichtet die Universität des Saarlandes in einer Pressemitteilung. Bei den Texten auf den Holztafeln handelt es sich zumeist um Dokumente merkantilen Inhalts oder Schriftstücke staatlicher Organe.

Entzifferungen verschollener Sprachen kommen nicht alle Tage vor. Die letzte, die weltweit Aufsehen erregte, war die des Mykenischen, die der Engländer Michael Ventris in den fünfziger Jahren vorlegte. Die Karoshthi-Entzifferung ist bereits die zweite Entschlüsselung, mit der Schmidt sich befasst hat: Schon vor 16 Jahren hatte er die Erschließung des bis dahin aufgrund von Fehldeutungen noch weitgehend unverständlichen Tumsuqsakischen entscheidend vorangebracht. Für den einzigen längeren literarischen Text dieser mitteliranischen Sprache konnte Schmidt einen Wort für Wort entsprechenden Paralleltext in Westtocharisch ausfindig machen, einer indogermanischen Sprache, die in Ostturkistan bis ins elfte Jahrhundert gebräuchlich war.

Auf ähnliche Art ist ihm jetzt die Entzifferung der nordturkistanischen Karoshthi Typ B geglückt: Den Schlüssel hierzu lieferten einige Namen auf drei zweisprachigen Weinrechnungen. Schmidt nahm - zunächst versuchsweise - an, dass die Namen in beiden Versionen in gleicher oder doch sehr ähnlicher Lautung vorliegen. Und seine Vermutung erwies sich als richtig: Diese Namen lieferten die ersten sicheren Zeichen- und Lautentsprechungen.
idw


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