Psychologen: Das "Äh" ist mehr als ein Pausenfüller in Vorträgen

Zwei amerikanische Psychologen versuchen eine Ehrenrettung des von geübten Rhetorikern geschmähten "Äh". Der Äh-Laut sei mehr als nur ein unästhetischer Pausenfüller, der Schulkindern verboten gehört, schreiben sie im Magazin "Cognition" (Bd. 84, S. 73).
Fast jede Sprache enthalte einen ähnlichen, typischerweise dehnbaren Laut, der in Vorträge eingeflochten werden kann, argumentieren die kalifornischen Psychologen Herbert Clark und Jean Fox Tree. Die Briten sagen gerne "Uh", Schweden "Hm" oder Japaner "Anoo".

Die beiden Forscher haben für eine Studie Gespräche von Akademikern sowie Mitschnitte auf Anrufbeantwortern ausgewertet. Sie fanden dabei, dass das typische "Uh" oder "Äh" neben den ausgesprochenen Aussagen Informationen auf einer "zweiten Ebene" enthalten: So vermittelt ein "Äh" oft Informationen über den Gedankenfluss des Sprechers, die dieser seinen Zuhörern mitteilen will. Außerdem kann der angebliche Pausenlaut Hinweise auf den Wert einer Aussage enthalten: Wird etwa das "Äh" vor eine Antwort gesetzt, weiß der Zuhörer, dass die Antwort zwar plausibel ist, aber Unsicherheiten enthält.

Dass ein "Uh" oder das von Deutschen genutzte "Äh" nicht nur ein Lückenfüller in Vorträgen ist, erkenne man auch im Internet, schreiben die Psychologen: Dort wird das "Äh" sogar in Chatrooms bei der Kommunikation über die Tastatur genutzt.

Andreas Wawrzinek


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