Agatha Christies Giftmischungen sind vom Feinsten

In 41 der über 80 Krimis von Agatha Christie kommt das Mordopfer durch Gift ums Leben. Die britische Krimiautorin hat sich nicht von Ungefähr immer wieder für diese Todesursache entschieden, war sie doch in ihren jungen Jahren einige Zeit in einer Apotheke tätig. Wie gut sie dort aufgepasst und sich Kenntnisse über unheilvolle Substanzen angeeignet hat, haben jetzt erstmals zwei Berliner Rechtsmediziner untersucht. Sie kommen zu dem Schluss: Agatha Christies Darstellungen der Symptome und Wirkungen von Giften haben fast Lehrbuchniveau. Die Ergebnisse der Studie werden von der Gesellschaft für toxikologische und forensische Chemie im Verlag Dr. Dieter Helm veröffentlicht. Die Publikation befindet sich derzeit im Druck.
Gifte und Vergiftungen nachzuweisen, erfordert schon einige Kenntnisse und Erfahrungen. Beinahe wäre deshalb 1977 in England ein neunzehn Monate altes Kind an einer Thalliumvergiftung gestorben - wäre da nicht eine krimiversessene Krankenschwester gewesen. Diese erinnerten die Symptome des gerade ins Krankenhaus eingelieferten Kindes an die Geschichte "Das fahle Pferd" von Agatha Christie. Dort war eine Thalliumvergiftung beschrieben, eine Mordvariante, die eher außergewöhnlich war. Denn Thallium, ein in der Erdkruste nur in geringen Mengen verbreitetes Metall, war erst 1896 erstmals isoliert worden. 1897 wurde allerdings schon ein spektakulärer Mord damit begangen.

Volkmar Schneider vom Institut für Rechtsmedizin der Freien Universität Berlin und Benno Rießelmann vom Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin haben sich in ihrer Studie mit den Beschreibungen der toxischen Wirkungen von Thallium und Nikotin beschäftigt. Während Thallium ein seltenes Gift ist, gilt ein mit Hilfe von Nikotin im Jahre 1850 verübter Mord unter Fachleuten als Geburtsstunde moderner forensischer Toxikologie. Zum ersten Mal konnte damals ein biologisches Gift posthum wissenschaftlich nachgewiesen und der Mörder durch die Rechtsmedizin überführt werden. Agatha Christie waren beide Fälle bekannt. Die genaue Darstellung dieser (und anderer) Giftwirkungen werde bei ihr, so Benno Rießelmann, zwar literarisch verbrämt, erreiche jedoch fast Lehrbuchniveau. Hervorragend seien auch Agatha Christies Beschreibungen der Fehleinschätzungen von Ärzten. Thalliumvergiftungen seien nämlich zunächst in ihren äußerlichen Symptomen kaum von einer Grippe zu unterscheiden. Erst im Endstadium der Vergiftung könne man auf etwas anderes als Grippe schließen.

Doch Agatha Christies Giftmordrepertoire beschränkte sich nicht auf Thallium und Nikotin, sondern war breit gefächert. Die Autorin konnte die Opfer von ihren literarischen Mördern auch mit Chlor, Arsen, Morphin, Strychnin, Salzsäure, Blausäure oder Oxalsäure fachgerecht zu Tode bringen lassen.

Doris Marszk


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