Könnten wir Menschen verstehen, die seit Generationen im Weltall unterwegs waren?

Eines Tages wird es möglich sein: Menschen brechen mit einem Raumschiff ins Weltall auf und leben dann über mehrere Generationen in so einem Raumschiff oder auf Raumstationen. Gesetzt den Fall, jemand von ihnen käme nach 200 Jahren zu Besuch auf die Erde ? könnten die Menschen ihn verstehen?
Dieses Gedankenexperiment spielte eine Linguistin von der University of Michigan auf der diesjährigen Tagung der "American Association for the Advancement of Science (AAAS)" durch und kam zu dem Schluss: Ja, man könnte sie verstehen, aber mit Einschränkungen. Diese Einschränkungen haben vor allem etwas mit den ganz anderen Lebensbedingungen der Weltall-Bevölkerung zu tun.

"Die grundlegende Frage wäre erst einmal, welche Sprache(n) die Weltraumreisenden sprechen, wenn sie ihre Reise beginnen", erklärt Sarah Thomason. "Aus leicht ersichtlichen Gründen sollte es bei allen die gleiche Sprache sein. Denn wenn sie nicht miteinander kommunizieren könnten, dann würde der gegenseitige Sprachlernprozess zu lange dauern und die Gruppe von den Dingen ablenken, die bei der Entwicklung einer neuen Gesellschaft nötig sind." Für am geeignetsten hält die Forscherin Englisch, weil es in vielen Teilen der Welt gesprochen wird. (Aber rein theoretisch wäre auch die Kunstsprache Esperanto möglich, sie hätte nur den Nachteil, dass es weltweit zu wenig Sprecher gibt, so dass man bei der Auswahl der Weltall-Reisenden sehr eingeschränkt wäre).

Im Großen und Ganzen wären die sprachlichen Unterschiede nach etwa 200 Jahren sprachlicher Weiterentwicklung im Weltall zwar vorhanden, aber nicht gravierend, vermutet Thomason. "Heutige Sprecher des Englischen sind ja auch in der Lage, Shakespeare zu lesen, der vor 400 Jahren geschrieben hat", sagt die Linguistin.

"Aber es wird Wortschatzänderungen geben, vor allem, weil die Umgebung der Weltall-Reisenden so ganz anders ist als das Leben auf der Erde. Man kann nicht Ski fahren oder auf Berge steigen oder Live-Fußballspiele im Fernsehen ansehen. Man kann auch nicht einfach so neue Orte bereisen oder Leute außerhalb des Raumschiffs oder der Raumstation kennenlernen oder besuchen."

Nicht vorhersagbar ist, ob die Weltall-Reisenden auf ihrem Schiff oder ihrer Raumstation nicht nach einer gewissen Zeit beginnen werden, sich als etwas Besonderes zu empfinden und sich dann auch sprachlich von den Erdlingen absetzen werden. Zumindest sei das kein ungewöhnlicher Vorgang, so Thomason. Dies wäre dann aber in erster Linie ein sozialer Prozess und erst in zweiter ein sprachlicher.

Es könnte dann aber zu der Herausbildung einer Art Weltall-Dialekts kommen. Von der ersten im Weltraum geborenen Generation würde der Dialekt seine Form bekommen, und diese wäre anders als jeder zur Zeit auf der Erde existierende Dialekt des Englischen.

Doris Marszk


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