Kaltes Heimatland ? bessere Chance auf Olympia-Medaille

Bei den Olympischen Spielen haben Sportler aus Nationen, die in kälteren Regionen der Erde zu Hause sind, die besseren Medaillen-Chancen ? und das auch im Sommer. Das haben zwei Wirtschaftswissenschaftler des US-amerikanischen Wellesley College herausgefunden. Nach der Theorie von Daniel Johnson und Ayfer Ali werden Deutschland und Russland in Salt Lake City die meisten Medaillen ergattern, dicht auf gefolgt von den USA und Norwegen. Das meldet das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist" in seiner Ausgabe vom 16. Februar.
Die Prognose der beiden Wirtschaftswissenschaftler: Deutschland wird bei den Olympischen Winterspielen im Medaillenspiegel Rang eins belegen mit 11 Gold-, sowie 20 Silber- und Bronzemedaillen. Russland landet auf Platz zwei mit 21 Medaillen, davon 10 in Gold.

Johnson und Ali stützen ihre Vorhersagen nicht auf die sportlichen Leistungen der Olympiateilnehmer. Sie prüften vielmehr, welche Wettkämpfer seit 1952 bei den Olympischen Spielen gut abschnitten und nahmen dann die politische, klimatische und wirtschaftliche Situation in deren Heimatländern unter die Lupe.

So hängt die Wahrscheinlichkeit eines Medaillenerfolgs stark vom Reichtum einer Nation ab. Dies gilt vor allem für die Winterspiele, wo richtige Ausrüstung und Material über Zehntelsekunden bei der Platzierung entscheiden können. In wohlhabenden Ländern finden Sportler auch bessere Trainingsmöglichkeiten und leichter Sponsoren. Eine große Rolle beim Kampf um die Medaillen spielt das Klima. Nationen mit kälterem Klima stechen bei Olympia grundsätzlich die sonnenverwöhnten Länder aus - und das überraschenderweise auch bei den Sommerspielen, so Johnson.

Bei den Winterspielen kamen Länder ohne Schnee bei einzelnen Wettbewerben bislang nie höher als auf den 14. Tabellenplatz. Je bevölkerungsreicher ein Land, desto mehr potenzielle Spitzensportler hat es zu bieten. Paradoxerweise ist dies jedoch nur bei den Sommerspielen von Belang: Bei den Winterspielen heimsen die kleineren Länder die meisten Medaillen ein.

Unbestreitbar von Vorteil ist es auch, die gastgebende Nation zu sein. Vom Medaillenvorteil für die Gastgeber profitieren sogar noch die Nachbarländer, allerdings nur im Sommer ? so das verblüffende Ergebnis. Für die Forscher überraschend brachten bisher Sportler aus Ländern, die von einem kommunistischen Regime oder einer einzigen Partei beherrscht wurden, immer die meisten Medaillen nach Hause. Und das unabhängig von der wirtschaftlichen oder geographischen Lage des Landes.

Die Forscher räumen mit dem Vorurteil auf, der Medaillensegen für kommunistische Länder stamme daher, dass sie mehr Athleten entsenden. Das sei nicht der Fall, so Johnson. Ideologisch beeinflusste Sportler trainieren und kämpfen vermutlich härter für Medaillen, wenn es darum gehe, 'für den Sozialismus oder die Partei' zu siegen vermuten die Forscher.

Die beiden Wissenschaftler betonen, dass sie mit ihrer Untersuchung die Leistung der Sportler nicht schmälern wollen. Es mache aber Sinn, die Faktoren näher zu beleuchten, die sportliche Erfolge beeinflussen.
Almut Bruschke-Reimer


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