Hunger in der Dritten Welt ist ein politisches Problem

Stabile politische Verhältnisse würden dem Hunger in der Dritten Welt besser entgegenwirken als Hilfsgüter aus den Industriestaaten. Die Regierungen armer Länder sowie kriegsführende Interessengruppen nutzen die Lebensmittelversorgung, um die Bevölkerung zu kontrollieren. Das schadet gerade den Ärmsten und den Kindern, wie die amerikanischen Soziologen Craig Jenkins und Stephen Scanlan in den Fachzeitschriften American Sociological Review und International Studies Quarterly berichten.
Die aktuelle Situation in Afghanistan sei ein gutes Beispiel für den Hunger als politisches Problem, behauptet Jenkins von der Ohio State University. Die Jahre des Krieges und der Herrschaft der Taliban haben zu einer erschreckenden Unterernährung der Menschen geführt.

Die Wissenschaftler untersuchten die Ernährungssituation und politische Lage von 53 Entwicklungsländern mit über einer Million Einwohnern. Die Daten der Vereinten Nationen umfassten die Jahre 1988 bis 1992. Sie fanden heraus, dass die Unterernährung in der Bevölkerung mit Bürgerkriegen und politischer Unterdrückung sowie ausgeprägtem Waffenhandel zunimmt.

Hohe Geburtenzahlen und schnelles Bevölkerungswachstum vergrößern den Anteil von hungernden Kindern unter fünf Jahren. Die Verbesserung des Status der Frauen durch Ausbildung und Arbeitsplätze würde dieser Entwicklung entgegenwirken, vermuten die Forscher.

In vielen Fällen führe die Diskriminierung von Minderheiten zu einer erhöhten Gewaltbereitschaft innerhalb des Landes und damit zu einer verschlechterten Ernährungssituation, sagt Jenkins. Politische Demokratisierung könnte das wirtschaftliche Wachstum ankurbeln und den Anteil der Hungernden verringern.

Der Import von Nahrungsmitteln kann den Menschen nur kurzfristig helfen. Einige Forscher behaupten, dass die Hilfsgüter der Dritten Welt schaden, da ein Abhängigkeitsverhältnis entsteht. Dies konnte die Studie jedoch widerlegen. Die Transporte sollten jedoch besser organisiert werden.

Heike Heinrichs


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