Der Vampir des Volksglaubens beißt nicht

Der Vampir, den der Kinogänger zu sehen bekommt, hat mit dem Vampir des Volksglaubens nicht viel zu tun. Viele der Klischees wurden dem sagenhaften Wesen aus der Welt der Toten erst später angedichtet. Dies berichtet der Historiker und Balkanologe Peter Mario Kreuter von der Universität Bonn.
Der Filmvampir reduziere sich nur auf wenige Klischees, schreibt der Wissenschaftler in seiner nun erschienenen Dissertation. Der Biss in den Hals beispielsweise sei in keiner historischen oder volkskundlichen Quelle erwähnt.

Dennoch waren Vampire dem Volksglauben zufolge auf Blut versessen. Sie schienen es aber dem jeweiligen Opfer auf magische Weise aus der Distanz zu entziehen. Wichtiger als der Durst nach Blut ist laut Kreuter jedoch die Verwandlungsgabe der Vampire. Neben der Gestalt bestimmter Tiere könne der Vampir auch die Form verschiedener Gegenstände annehmen, so der Balkanologe.

Kreuter ist auch der Frage nachgegangen, warum der Vampirglaube gerade in Südosteuropa so stark verwurzelt ist. Im christlich-orthodoxen Weltbild sei, so Kreuter, kein Platz für einen Totenkult, der den Menschen in dieser Region sehr wichtig war. "Diese Lücken füllten die Menschen mit Versatzstücken aus dem viel älteren Volksglauben, da sich die orthodoxen Kirchen kaum mit Sterben und Tod auseinandersetzen", erklärt Kreuter.

Heutzutage spielt der Vampirglaube auch in Südosteuropa kaum noch eine Rolle. Gleichwohl müssen die Vampire noch dann und wann herhalten, wenn etwas scheinbar Unerklärliches geschieht: So wurde etwa "zu Beginn der 80er Jahre aus einer rumänischen Stadt berichtet, dass ein Vampir ähnliches Wesen umginge und das Öl von Fahrradketten leckte".

Bibliografischer Hinweis: Peter Mario Kreuter: "Der Vampirglaube in Südosteuropa", Weidler Verlag Berlin 2001, ISBN 3-89693-709-X.
Doris Marszk


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