In Ostdeutschland bald mehr Männer als Frauen

Durch den Bevölkerungsrückgang in Deutschland werde es besonders in Ostdeutschland bald zu einer krassen Situation im Geschlechterverhältnis kommen. Dieses Szenario entwirft der Chemnitzer Soziologe Bernhard Nauck. Er ist der einzige ostdeutsche Professor im Vorstand der neu gegründeten "Deutschen Gesellschaft für Demographie".
In sechs bis sieben Jahren werden sich im Osten zwei Männer um eine Frau bemühen müssen, das ist sicher, erklärt Bernhard Nauck von der Technischen Universität Chemnitz. Dies hat mehrere Ursachen.

Zum einen ist es nach wissenschaftlichen Erkenntnissen immer so, dass es bei Bevölkerungsschrumpfung mehr Männer als Frauen gibt. Dabei spielt auch eine Rolle, dass Männer in aller Regel nach jüngeren Partnerinnen suchen und in dieser eingeschränkten Auswahl auch die Zahl der potenziell verfügbaren Partnerinnen sinkt. Zum anderen ist aber auch nachgewiesen, dass seit Beginn des 20. Jahrhunderts faktisch mehr Jungen als Mädchen geboren werden. Auf 105 kleine Jungen kommen statistisch nur 95 kleine Mädchen. Dieser Umstand trifft in Ostdeutschland mit der Tatsache zusammen, dass dort im Durchschnitt doppelt so viele Frauen wie Männer in den Westen abwandern.

Die im Osten zurückbleibenden Männer mit Heiratsabsichten gehen also trüben Zeiten entgegen, denn bei der nun angesagten Damenwahl könnten viele von ihnen sitzen bleiben. Nauck geht davon aus, dass ein entscheidendes Kriterium für die Entscheidung der Frauen sein wird: Wie gut ist er finanziell gestellt? Die Männer mit den schlechtesten Chancen auf dem Heiratsmarkt dürften, so Nauck, die Ungebildeten und damit schlecht Verdienenden sein.

Mehr Migration und mehr staatliche Familienförderung werden oft als Rezepte gegen den Bevölkerungsrückgang genannt. Verstärkte Zuwanderung habe, so Nauck, schon zu durchaus positiven Ergebnissen geführt. Allerdings macht der Soziologe darauf aufmerksam, dass ganz Europa ? und nicht nur Deutschland ? von einer Bevölkerungsschrumpfung betroffen ist. Die Zuwanderer müssten also aus entfernteren Regionen nach Europa gelockt werden.

Von staatlicher Familienförderung verspricht sich der Chemnitzer Sozialwissenschaftler nur zum Teil etwas: Die Idee "Mutter als Beruf" wieder stärker zu propagieren, hält er für einen schlechten Weg. Nur unterdurchschnittlich gebildete Frauen würden sich solch einer Mutterrolle fügen wollen. Dagegen käme ein Ausbau der Infrastruktur zur Kinderbetreuung allen Frauen entgegen. "Nur ein flächendeckendes und überaus flexibles und verlässliches System von Kindergärten im großen Stil lässt auch berufstätige Frauen an Nachwuchs denken."
Doris Marszk


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