Wie in den muslimischen Ex-Sowjetrepubliken die National-Sprachen aufgewertet werden

Die muslimischen Staaten Zentralasiens, die etwa 70 Jahre lang zur Sowjetunion gehörten, haben sich in den etwa 10 Jahren ihrer Unabhängigkeit bemerkenswert schnell vom Russischen als Amtssprache getrennt. Die Schriftsysteme haben sie ? die modernen Kommunikationsbedürfnisse bedenkend ? ins Lateinische umgewandelt. Diese Entwicklungen zeigt eine neu erschienene Studie
BERLIN ? Die muslimischen Staaten Zentralasiens, die etwa 70 Jahre lang zur Sowjetunion gehörten, haben sich in den etwa 10 Jahren ihrer Unabhängigkeit bemerkenswert schnell vom Russischen als Amtssprache getrennt. Die Schriftsysteme haben sie ? die modernen Kommunikationsbedürfnisse bedenkend ? ins Lateinische umgewandelt. Diese Entwicklungen zeigt eine neu erschienene Studie von Jacob M. Landau von der Hebrew University (Jerusalem) und Barbara Kellner-Heinkele von der Freien Universität Berlin auf.


Aserbaidschan, Usbekistan, Kasachstan, Kyrgyzstan, Turkmenistan und Tadschikistan sind nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion selbstständig geworden und pflegen im GUS-Verband nur noch mehr oder wenige lockere Beziehungen untereinander oder zu Russland. Die allgemeine Verkehrssprache, die Lingua franca der Sowjetzeit ? das Russische ? ist in manchen Staaten stark zurückgedrängt worden. Usbekistan, Turkmenistan und Aserbaidschan sind in diesem Prozess am weitesten fortgeschritten. In Kasachstan, Kyrgyzstan und Tadschikistan hat sich das Russische bisher noch in einigen Bereichen gut gehalten. Obwohl jedes Land multiethnisch ist, gilt als Staatssprache jene Sprache, die auch dem ganzen Land den Namen gibt, etwa Usbekisch in Usbekistan. In allen diesen Ländern werden Landes-, Städte- und Straßennamen in der jeweiligen neuen Staatssprache bezeichnet.. Auch die Wissenschafts- und Presse- und Medienlandschaft wandelte sich: Publikationen wurden nun immer häufiger in die Staatssprachen übersetzt. Interessant ist hierbei, dass die neuen selbstständigen Staaten auch ein neues Schriftsystem angenommen haben.


Obgleich bis auf das Tadschikische, das zur iranischen Sprachfamilie gehört, alle diese Sprachen Turksprachen sind, hatten sie bis zur Eingliederung in die Sowjetunion die persisch-arabische Schrift benutzt. Zu Beginn der Sowjetzeit wurde das persisch-arabische Alphabet zunächst durch unterschiedliche Varianten des lateinischen Alphabets ersetzt. Die Begründung hierfür war die Kampagne zur Abschaffung gegen das Analphabetentum, aber auch die "Abkehr vom Feudalismus". (Das war übrigens auch in der Türkei der Grund für die Einführung des lateinischen Alphabets in den 20-er Jahren). Um 1940 wurden im Zuge einer rigiden Sowjetisierung in allen Sprachen Zentralasiens das (gerade eingeführte) lateinische Alphabet durch das kyrillische ersetzt.


Bei der neuerlichen Änderung des Schriftsystems sind die zentralasiatischen Staaten nicht zur traditionellen persisch-arabischen Schrift zurückgekehrt, sondern zum lateinischen Alphabet. Damit öffnen sie sich bewusst nach Westen und tragen modernen Kommunikationsbedürfnissen Rechnung.


Die Studie von Landau und Kellner-Heinkele untersucht vor dem politischen und kulturellen Hintergrund jedes Landes Wechselbeziehungen von Sprache und Politik, sie analysiert Dokumente und politische Debatten und enthält reichhaltiges statistisches Material sowie Übersichten zu den neuen Alphabeten.


Bibliografischer Hinweis: Jacob M. Landau & Barbara Kellner-Heinkele: "Politics of Language in the ex-Soviet Muslim States Azerbayjan, Uzbekistan, Kazakhstan, Kyrgyzstan, Turkmenistan", London: C. Hurst & Co. 2001, ISBN 1-85065-442-5



Doris Marszk


Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Eine kurzweilige Führung durch den Bienenstock mit einer erhellenden Dosis Wissenschaft – das bietet das Buch "Die Honigfabrik" von Jürgen Tautz.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe