Politisches Frühwarnsystem für instabile Staaten entwickelt

Gehören Dauerdemonstrationen und Schlachten mit der Polizei zum üblichen politischen Bild eines bestimmten Staates? Ist demnächst mit einem Bürgerkrieg oder einem Staatsstreich zu rechnen? Menschen, die von Berufs wegen die Situation in einem Staat analysieren müssen ? etwa Politiker oder Journalisten ? tun sich oft schwer damit, zu einer richtigen Einschätzung der Lage zu kommen. Wissenschaftler der Ohio State University und der Harvard University sind nun dabei, ein politisches Frühwarnsystem in Form eines statistischen Instrumentariums zu entwickeln, das künftig helfen könnte, kommende Unruhen frühzeitig erkennen. Eine erste Beschreibung ihres Systems haben sie kürzlich im "Journal of Conflict Resolution" veröffentlicht.
Craig Jenkins von der Ohio State University und sein Kollege Doug Bond von der Harvard University haben ein numerisches Punktesystem entwickelt, das auf bestimmte Faktoren angewandt wird. Drei Faktoren beschreiben die Art und Weise, wie Staaten mit inneren Konflikten umgehen. Wegen dieser Faktoren nennen die Forscher ihre Konzeption "Conflict-Carrying Capacity (CCC)".

Diese Faktoren sind häufige Demonstrationen, die "Antwort" der Staatsgewalt auf solche Demonstrationen und Proteste und die Gewalttätigkeit der Protestierenden. "Wenn in eienm Staat einer dieser drei Faktoren in hohem Maße gegeben ist, heißt das noch nicht, dass der Staat instabil ist", erklärt Jenkins. "Es müssen schon alle drei Faktoren in Kombination stark vertreten sein, damit man mit Recht eine Instabilität voraussagen kann."

Bei der Berechnung der Stabilität eines Landes wird von einer Punktskala von 100 (höchste Stabilität) bis 0 (völlige Instabilität) ausgegangen. Fällt ein Land jedoch unter 85, ist schon mit starker Instabilität zu rechnen. Während die USA auf dieser Skala 98.89 erreichen, kommt Sri Lanka nur auf 67.45 Punkte. Dieser Stand markiert ein Land im totalen Chaos. Übertroffen wurde es Mitte der 90er Jahre von Afghanistan, das nur 40 Punkte erreichte. (Vgl. die Abbildung, die die Verhältnisse in Afghanistan darstellt).

China beispielsweise erlebte den Forschern zufolge in den 90er Jahren einige Proteste und Demonstrationen, es war auch Gewalt im Spiel, doch der Staat verhielt sich mit seinen Maßnahmen relativ gemäßigt. "Das Ergebnis ist, dass China fast so stabil ist wie die Vereinigten Staaten", sagt Jenkins.

Bisher ist das System der beiden Forscher nur beschränkt angewendet worden, etwa von privaten Organisationen und Agenturen. Für die Bewertung seines tatsächlichen Nutzens ist eine breitere Anwendung erforderlich.

Doris Marszk


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