Sprachmelodie verhindert das "sich ins Wort fallen"

Woher wissen eigentlich Menschen in einer gepflegten Unterhaltung, wann der Gesprächspartner seine Äußerung beendet hat und sie selbst das Wort ergreifen können? "Jetzt kommst du" oder "Jetzt bist du an der Reihe" sagt man ja nur in Ausnahmefällen. Eine Sprachwissenschaftlerin der Universität Leiden ist dieser Frage nachgegangen und hat herausgefunden, dass vor allem dann, wenn in vollständigen Sätzen gesprochen wird, der Sprachmelodie die entscheidende Rolle bei der Markierung des Endes der Äußerung zukommt.
Auch gebildete und höfliche Menschen führen ihre Unterhaltungen nicht nur in druckreifen Sätzen. Zumindest müssen sie manchmal kurz pausieren, etwa um nach dem richtigen Wort zu suchen. Manchmal brechen sie aber auch die Äußerung einfach ab, ohne den Satz grammatisch korrekt beendet zu haben. In der Konversation zwischen zwei oder mehreren Menschen gibt es also viele verschiedene sprachliche Vorgänge. Da ist es fast ein Wunder, dass sich Menschen nicht ständig ins Wort fallen, sondern relativ genau den Moment erkennen, in dem sie das Wort ergreifen können.

Johanneke Jaspers von der Universität Leiden hat Versuchspersonen Ausschnitte aus Konversationen vorgespielt und sie gebeten anzugeben, ob sie nach dem jeweiligen Äußerungsstück das Wort hätten übernehmen dürfen oder nicht. Wenn der Satz vor der Pause noch unvollständig war, sahen die Versuchspersonen unabhängig von der Sprachmelodie seltener die Möglichkeit zur Redeübernahme als bei vollständigen Sätzen. Bei vollständigen Sätzen hingegen, nach denen der Sprecher nur kurz pausierte, um dann zu einer weiteren Äußerung anzusetzen, spielte die Sprachmelodie die entscheidende Rolle. Will der Sprecher nur pausieren, hebt er den Ton der letzten Silbe vor der Äußerungspause. Dies ist auch der Moment, wo Gesprächspartner instinktiv "hmm" sagen, weil sie fühlen, dass der andere gleich fortsetzen will.

Die Erkenntnisse der Leidener Sprachwissenschaftlerin könnten von Bedeutung sein für die Entwicklung von computergesteuerten Dialogen.

Doris Marszk


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