Mehr als 3.400 Sprachen werden im 21. Jahrhundert sterben

Linguisten sind besorgt um den Fortbestand seltener Sprachen. Von den gegenwärtig 6.800 bekannten Sprachen könnten am Ende dieses Jahrhunderts mehr als 3.400 und im schlimmsten Fall bis zu 6.120 von der Erde verschwunden sein. Die seltenen Sprachen werden oft nur noch von weniger als 2.500 Menschen gesprochen. Auch sterben in vielen Ländern seltene Sprachen wegen der politischen Verhältnisse aus, weil ihr Unterricht aus den Schulen verbannt wird. Naturkatastrofen, die Menschen aus ihren Lebensräumen vertreiben oder töten, sowie die dominanten Verkehrssprachen führen ebenfalls zum Sprachensterben, berichtet Payal Sampat, ein Wissenschaftler des World Watch Instituts, in der Juniausgabe des World Watch Magazins.
Für Sprachen wie Udihe, Eyak und Arikapu , die in Sibirien, Alaska und am Amazonas gesprochen werden, gibt es kaum noch Hoffnung. Nur noch 100 Menschen sind der Sprache Udihe mächtig, sechs des Arikapu und nur noch ein Mensch spricht Eyak. Eingeborenensprachen in den USA und Neuseeland aber auch Europa werden ebenfalls immer seltener gebraucht. Navajo und Maori werden ebenso rarer wie das Cornish aus Cornwall in Großbritannien. Die Linguisten beklagen neben dem Verlust der Vielfalt in der menschlichen Sprache weiterreichende Probleme. Das Studium der Sprachen führt zu Erkenntnissen über das Wissen der Völker, über ihre Geschichte und ihre Wanderbewegungen auf der Erde. Mit dem Verlust jeder Sprache geht ein Stück Kultur- und Menschheitsgeschichte verloren.

Sprachen wie das Hebräische oder das Hawaiische zeigen, dass der Sprachtod nicht notwendigerweise stattfinden muss. Heutiges Hebräisch stammt von der mehr als 2.000 Jahre alten Schriftsprache und ist heute Israels Nationalsprache. Hawaiisch erlebte seine Wiedergeburt, als es im Jahr 1984 erneut in den Schulunterricht des US-amerikanischen Inselstaates eingeführt wurde. Heute sprechen 5 Millionen Menschen Hebräisch und die Zahl derer, die sich auf Hawaiisch unterhalten können, ist von 1.000 auf rund 10.000 Hawaiianer angestiegen.
Marion Herzog


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