Mit künstlicher Sprache dem Sprachenlernen auf der Spur

Babys lernen Sprache eher durch die sprachlichen Muster der Umgebung als durch Vorprogrammierung im Gehirn. Dies belegt eine Studie der Assistenzpsychologin Rebecca Gomez von der Johns Hopkins University. Ihre Studie stellte sie auf der Jahrestagung der " American Association for the Advancement of Science" vor.
Ich wollte herausfinden, inwieweit die Sensibilität für statistische Informationen über Sprache ein Kleinkind beim Sprachenlernen beeinflusst, erklärte Gomez. "Künstliche Sprache erlaubt es, jede Interferenz mit einer früher gehörten Sprache auszuschalten und stattdessen das Augenmerk darauf zu richten, worauf der Lerner reagiert." Die Psychologin ließ 18 Monate alte Kleinkinder mit Sätzen aus künstlichen Wörtern wie "pel", "wadim", "jic", "vot" oder "rud" konfrontieren. Dabei saßen links und rechts vom Kleinkind Sprecher, die das Kind gewissermaßen mit der künstlichen Sprache beschallten. Die Wörter wurden nach einem bestimmten System verwendet: Wenn das erste Wort "pel" war, war das dritte Wort immer "jic", war das erste Wort "vot", dann war das dritte Wort "rud". Das zweite Wort variierte, teils wurde es aus einer kleinen Sammlung von künstlichen Wörtern ausgewählt, teils aus einer größeren Sammlung. Nach einer Trainingsphase wurden die Kinder wieder der künstlichen Sprache ausgesetzt. Diesmal präsentierten ihnen die Sprecher zwischendurch immer wieder "ungrammatische" Sätze in dem Sinne, dass das erste und dritte Wort nicht wie vorher aufeinander bezogen waren. Es zeigte sich, dass die Kleinkinder deutlich länger auf die "ungrammatischen" Wort-Sequenzen lauschten als auf die "grammatischen", so als seien die "grammatischen" schon verständlich und damit uninteressant geworden.

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass der Spracherwerb doch eher von gehörtem Input gelenkt wird als von vorprogrammierten Lernmechanismen. Gomez' Forschungsresultate sprechen dafür, dass sich das Verständnis für die Grammatik erst entwickelt und nicht angeboren ist, wie es der amerikanische Linguist Noam Chomsky annimmt.

Doris Marszk


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