Ideale Inputsprache hilft Kindern beim Sprechenlernenl

BOCHUM - Obwohl die allerwenigsten Eltern dieser Welt Pädagogen oder Sprachwissenschaftler sind, erlernen die meisten Kinder ohne größere Schwierigkeiten ihre Muttersprache. Einen Baustein zur Auflösung dieses Prozesses hat der Linguistik-Student Mark Niederhagen an der Ruhr-Universität Bochum in seiner Abschlussarbeit geliefert. Seine These: Erwachsene und auch ältere Kinder wenden Kleinkindern gegenüber unbewusst bestimmte Strategien an, die ihnen das "Bauprinzip" der Muttersprache näher bringen.

Wie das Kind es schafft, innerhalb weniger Jahre seine Muttersprache zu lernen, ist Gegenstand der Spracherwerbsforschung. Dort weiß man seit langem, dass eine regelrechte Belehrung des Kindes über seine Sprache nichts nützt. Wenn das Kind etwa in einem bestimmten Alter immer "ich gehte" sagt statt "ich ging", reagiert das Kind kaum darauf, wenn man ihm sagt: "Du, hör mal, es heißt 'ich ging' und nicht 'ich gehte'." Einige Zeit später kommt es "wie von selbst" auf die Form "ich ging". Bedeutet dies dann umgekehrt, dass ein Kind nur mit Sprache beschallt zu werden braucht, damit es sie lernt? Nein, sagen die Sprachforscher. Kein Kind würde z.B. Englisch lernen, wenn man es einfach nur vor einen Fernseher setzte, in dem das Programm der BBC dauerhaft eingestellt ist. Die Lösung liegt - wie so oft - in der Mitte. Nicht bewusste Belehrung und nicht die dumpfe Sprachbeschallung, sondern eine Interaktion, in der dem Kind das Bauprinzip der Muttersprache zur Nachahmung angeboten wird, führt zum Erwerb der Muttersprache.

Mark Niederhagen machte über die ersten fünf Lebensjahre eines Kindes hinweg (jeweils in dreimonatigen Abständen) Aufnahmen von dessen "Gesprächen" mit Erwachsenen oder älteren Kindern, die er später auswertete. Dabei stellte er fest, dass die Erwachsenen verschiedene Strategien anwenden, um dem Kind das Sprachverständnis zu erleichtern. Diese Strategien nennt er die "ideale Inputsprache". Dazu gehören z.B. eine markante Intonation, Wiederholungen einzelner Wörter oder Satzteile, häufige Fragen, Reformulierungen, bei denen schon Bekanntes in neuer Satzbau-Umgebung wiederholt wird. Auch Geschichten und Lieder gehören zum Repertoire der Strategien der erwachsenen Sprecher, die sie gegenüber Kindern anwenden.

Dem Kind, so das Fazit von Niederhagen, hilft es am meisten, wenn der erwachsene Gesprächspartner sich in seine Lage hineinversetzt, möglichst viel mit ihm spricht und ihn als vollwertigen Gesprächspartner begreift.

Doris Marszk

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