Stressfaktor Intoleranz

Eine Studie von US-Forschern hat dokumentiert, wie enorm wichtig Akzeptanz für das Wohlbefinden und die Gesundheit homosexueller Menschen ist: Nach der Zulassung gleichgeschlechtlicher Ehen im US-Bundesstaat Massachusetts sanken die Fälle stressbedingter Erkrankungen bei der homosexuellen Bevölkerung deutlich. Dies komme der gesamten Gesellschaft zu Gute, betonen die Forscher.
Bisherige Studien haben gezeigt: In US-Staaten, in denen die Zulassung gleichgeschlechtlicher Ehen diskutiert, aber schließlich abgelehnt wurde, löste dies besonderen Stress unter Schwulen und Lesben aus. Laut einer US-weiten Umfrage aus dem Jahr 2004 litt ab diesem Zeitpunkt nicht nur ihre allgemeine Stimmung, sondern es traten auch vermehrt Angstzustände und Depressionen in dieser Bevölkerungsgruppe auf.

Wissenschaftler um den Psychologen Mark Hatzenbuehler von der University of Columbia haben nun untersucht, ob es auch einen umgekehrten Effekt gibt ? sprich, ob es einen positiven Effekt auf die Gesundheit von Homosexuellen gibt, wenn die Gesellschaft öffentliche Zeichen der Akzeptanz setzt. Dazu verwendete sie Daten einer Klinik in Massachusetts, die sich auf die ärztliche Betreuung von Schwulen und Lesben spezialisiert hat. Massachusetts eignete sich laut den Forschern besonders gut für diese Untersuchung, da dort ? als erstem Staat in den USA ? 2003 gleichgeschlechtliche Ehen gesetzlich zugelassen wurden. ?Das bescherte uns quasi-natürliche Bedingungen für unser Experiment?, erklärt Hatzenbuehler. Die Wissenschaftler werteten die vorliegenden Fragebögen und Gesundheitsdaten von 1.200 männlichen Patienten der Klinik aus. Aufgrund einer zu kleinen Stichprobe konnte die Studienergebnisse nicht auf gleichgeschlechtlich orientierte Frauen erweitert werden.

Die Auswertungen ergaben: Die Patienten suchten zwölf Monate nach der Gesetzesänderung zu 13 Prozent seltener ärztliche Hilfe auf als zuvor. Ihre Gesundheitskosten reduzierten sich entsprechend um 10 Prozent. Auch die Arztbesuche aufgrund psychischer Beeinträchtigungen sanken um 13 Prozent, damit verbundene Kosten sogar um 14 Prozent. Besonders auffällig: Die Homosexuellen litten vor allem seltener an stressbedingten Symptomen wie Bluthochdruck, Depressionen und Angstzuständen. Dieser Effekt trat sowohl bei in Beziehungen lebenden homosexuellen und bisexuellen Männern auf, als auch bei alleinstehenden, so die US-Forscher. Das zeigt, dass die Zulassung von gleichgeschlechtlichen Ehen nicht nur denjenigen zu Gute kommt, die sich eine Ehe wünschen, sondern dass dies auch eine Botschaft der Akzeptanz für alle darstellt.

?Insgesamt weisen unsere Ergebnisse darauf hin, dass die Legitimierung gleichgeschlechtlicher Ehen positive Auswirkungen auf die Gesundheit von homosexuellen und bisexuellen Männern hat, indem sie stressbedingte Erkrankungen reduziert?, resümiert Mark Hatzenbuehler. Durch die Kostenreduktion wirke sich dieser Effekt auch auf die gesamte Bevölkerung aus. ?Diese Erkenntnis könnte eine wichtige Rolle in der aktuellen Debatte um Gesundheitskosten in den USA spielen?, hofft der Psychologe. In jedem Fall liefere sie Anstöße für die weitere Erforschung sozialer, ökonomischer und gesundheitlicher Vorteile der Zulassung gleichgeschlechtlicher Ehen.
Mark Hatzenbuhler (University of Columbia) et al.: American Journal of Public Health, doi: 10.2105/AJPH.2011.300382

© wissenschaft.de ? Marion Martin


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