Was Pestfriedhöfe verraten

Die wahrscheinlich durch das Pestbakterium verursachte Krankheitswelle der Jahre 1347 bis 1351 traf vor allem die schon vorher durch Krankheit geschwächten Menschen. Die auch "Schwarzer Tod" genannte Pandemie tötete im Mittelalter 25 Millionen Menschen und entvölkerte ganze Landstriche. Sharon DeWitte von der Universität in Albany und James Wood von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia fanden jetzt heraus, dass die Krankheit nicht so wahllos zuschlug wie vorher angenommen: Skelette des Londoner East-Smithfield-Friedhofs für die Toten der Pandemie zeigten, dass die Opfer oft schon vorher krank oder geschwächt gewesen waren.
Asien war vermutlich der Ursprung der länderübergreifenden Krankheit, und der Erreger wahrscheinlich Yersinia pestis, das Pestbakterium. Andere Krankheitsforscher wiederum vermuten den Milzbrand als Übeltäter oder die Grippe. Fest steht, dass die Pandemie in ganz Europa sehr viele Opfer forderte, weshalb sich Wissenschaftler bis jetzt wenig Gedanken darüber gemacht haben, wer besonders betroffen war. DeWitte und Wood untersuchten aus diesem Grund 490 Skelette von Menschen, von denen die Forscher annehmen konnten, dass diese am Schwarzen Tod gestorben waren.

Die Wissenschaftler untersuchten die Knochen auf Merkmale, die typischerweise nach einer Krankheit oder in Zeiten der Mangelernährung entstehen. Blutarmut kann zum Beispiel zu Knochenauswüchsen am Schädel führen und Stress während des Wachstums zu mangelhaftem Zahnschmelz. Um sicher zu gehen, dass die 490 Skelette des East-Smithfield-Friedhofs tatsächlich überdurchschnittlich viele dieser Gebrechen aufwiesen, verglichen DeWitte und Wood die Ergebnisse mit denen anderer Friedhöfe.

Sie gingen dazu nach Viborg und Odense in Dänemark, da diese Städte im Mittelalter London ähnelten und durch die Besiedelung Englands durch die Angeln auch ein gemeinsamer genetischer Pool der Bevölkerung vorhanden war. Vom Schwarzen Tod noch unberührt, zeigte der Zustand der 291 dänischen Skelette der zwei Friedhöfe den durchschnittlichen Krankheitsstand der Stadtbevölkerung im Mittelalter an. Ein statistischer Vergleich der Daten ergab, dass die Wahrscheinlichkeit, am Schwarzen Tod zu sterben, tatsächlich für diejenigen am größten war, die schon vorher gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe waren.
Sharon DeWitte (Universität in Albany) und James Wood (Universität von Pennsylvania, Philadelphia): PNAS (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0705460105)

ddp/wissenschaft.de ? Livia Rasche


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