Das Erz des Kolumbus

 Galenit und bearbeitete Bleistücke der archäologischen Ausgrabungen in La Isabela. Foto: James Quine / Universität von Florida
Galenit und bearbeitete Bleistücke der archäologischen Ausgrabungen in La Isabela. Foto: James Quine / Universität von Florida
Das vermeintlich erste von europäischen Kolonisten in Amerika gefundene Silber stammt in Wirklichkeit aus der Alten Welt: Die von Archäologen in Christoph Kolumbus' Karibiksiedlung La Isabela Ende der 1980er Jahre ausgegrabenen Erzklumpen sind spanischen Ursprungs, konnten amerikanische Forscher nun nachweisen. Kolumbus hatte das Erz wohl als Vergleichsmaterial auf seine zweite Amerikareise mitgenommen, vermuten die Forscher um Alyson Thibodeau von der Universität von Arizona in Tucson.
Bei Ausgrabungen in La Isabela, der ersten planmäßig angelegten europäischen Siedlung auf amerikanischem Boden, hatte der venezolanische Archäologe José Cruxent Ende der 1980er Jahre silberhaltiges Bleierz, so genanntes Galenit, entdeckt. Dazu fanden sich ein Schmelzofen, Schmelztiegel und Schlacke ? Hinweise darauf, dass die ersten europäischen Kolonisten versucht hatten, aus dem Erz Silber zu gewinnen. "Dies schienen die ersten europäischen Edelmetallfunde in der Neuen Welt zu sein", sagt David Killick, Mitautor der Studie. "Doch sie sind es nicht."

Die Wissenschaftler untersuchten das Erz und die Schlacke mit chemischen Methoden. Aufgrund des Verhältnisses bestimmter Erscheinungsformen von Blei, den so genannten Isotopen, vermuten sie, dass das Gestein aus Spanien kommt. Im späten Mittelalter schätzen Bergleute den Edelmetallanteil unbekannter Erze, indem sie sie mit Galenit verglichen, dessen Silberanteil sie kannten. Kolumbus, der auf seiner zweiten Amerikareise Edelmetalle finden wollte, könnte die Galenitstücke also als Vergleichsmaterial mitgenommen haben, vermuten die Forscher.

La Isabela liegt an der Nordküste der heutigen Dominikanischen Republik. Die bis zu 1.500 spanischen Auswanderer lebten dort mehr schlecht als recht und gaben die Siedlung nur zwei Jahre nach ihrer Gründung auf, als Christoph Kolumbus' Bruder Bartolomeo bei Santo Domingo an der Südküste der Insel Gold fand. Einige letzte Einwohner von La Isabela versuchten verzweifelt und offensichtlich unkundig, aus dem aus Spanien mitgebrachten Erz Silber zu gewinnen. So erklären die Wissenschaftler den Fund der silberhaltigen Schlacke, die beim Verhütten des Bleierzes angefallen war.
Alyson Thibodeau (Universität von Arizona, Tucson) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0607297104

ddp/wissenschaft.de ? Fabio Bergamin


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