Der Kamel-Domestikation auf der Spur

Das Kamel hat den Lauf der Geschichte beeinflusst. (Credit: Image courtesy of Bernard Faye)

Dromedare transportierten Waren, Menschen und mit ihnen Ideen über enorme Entfernungen hinweg... Trotz ihrer großen Bedeutung für die Menschheitsgeschichte ist erstaunlich wenig über den Ursprung und die Domestikationsgeschichte der Wüstenschiffe bekannt. Diese Wissenslücken haben österreichische Forscher nun gefüllt. Ihren Untersuchungen zufolge ist die Ursprungsregion des domestizierten Dromedars die Südostküste der Arabischen Halbinsel. Sie konnten außerdem zeigen, dass das Dromedar im Gegensatz zu vielen andern Haustieren eine erstaunlich hohe genetische Vielfalt behalten hat.

Klar war bisher nur: Irgendwann vor etwa 3.000 Jahren begann die Erfolgskarriere des einhöckrigen arabischen Kamels als Transporttier. Es erreichte schließlich eine enorme Verbreitung: im gesamten Nordafrika, am Horn von Afrika, dem Südwest-Asien und im vorderen Orient bis nach Indien. Im Laufe der Geschichte trug das Dromedar maßgeblich zum Handel und der Entwicklung von gesellschaftlichen Strukturen in unwirtlichen Gegenden bei. Bis heute hat das genügsame Tier in vielen Kulturen seinen hohen Stellenwert behalten. Wildformen des Dromedars gibt es heute nicht mehr.

Woher das Dromedar kam

Doch wie es genau zur Domestikation des Dromedars gekommen war, liegt im Dunkel der Geschichte. "Wir haben zwar aus den wilden Dromedaren ein Haustier gemacht, wissen aber nicht, wie und wo die Domestizierung begann und wie sie sich auf die heutigen Kamele ausgewirkt hat", erklärt Pamela Burger vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna. Sie und ihre Kollegen haben dem charismatischen Nutztier deshalb nun eine umfangreiche Studie gewidmet.

Die Forscher analysierten dazu bis zu 7.000 Jahre altes Erbgut aus Knochenfunden von wilden und frühen domestizierten Kamelen und verglich sie mit den genetischen Profilen heutiger Dromedare. Erstmals war es dadurch möglich, die südöstliche Küste der arabischen Halbinsel als den Ort zu identifizieren, an dem die Nutzung der Kamele als Haustiere begann. "Es scheint sich zu bestätigen, dass eine erste Domestizierung wilder Dromedare von der Südostküste ausging. Es folgten wiederholte Einkreuzungen wilder Kamele in die frühen domestizierten Gruppen", ergänzt Burger. Die wilden Vorfahren der heutigen Dromedare lebten räumlich begrenzt und starben ungefähr 2.000 Jahre nach der ersten Domestizierung aus, erklärt die Wissenschaftlerin.

Karawanen erhielten genetische Vielfalt

In den genetischen Untersuchungen spiegelte sich außerdem ein weiteres interessantes Ergebnis wider: Bei Dromedaren gibt es eine große genetische Vielfalt und nicht die durch Züchtung typische geringe Diversität des Erbgutes. Wenn der Mensch ein Tier domestiziert, filtert er normalerweise durch Züchtung das Erbgut jener Tiere heraus, die den meisten Nutzen bringen. Beim Dromedar war dies offenbar nicht der Fall. Den Forschern zufolge hat die genetische Vielfalt wohl einen Zusammenhang mit der Verwendung der Dromedare als Transporttiere: Durch die Ortswechsel trafen immer wieder unterschiedliche Kamelgruppen aufeinander. Damit wurde das Erbgut regelmäßig durchmischt und die genetische Vielfalt blieb erhalten. Diversität im Erbgut macht Tierarten bekanntermaßen stark. Dieses Merkmal fügt sich nun gut ins bestehende Image des Dromedars ein: Kein anderes Nutztier gilt als so zäh, genügsam und dennoch leistungsstark wie das legendäre Wüstenschiff.

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