Im Internet den alten Griechen ins Portmonee gucken

Die alten Griechen kannten schon in archaischer Zeit, ab etwa dem 7. Jahrhundert v. Chr. Geld als Tauschmittel. Die ersten Münzen, also geprägte Metallscheiben, wie wir sie auch heute kennen, tauchten im 8. Jahrhundert v. Chr. in Ionien auf. Wie die alten Griechen mit diesem Geld umgingen, wieviel die Dinge des Alltags kosteten, welchen Lohn die einzelnen Berufgruppen für ihre Arbeit bekamen oder welche Geldstrafen es gab - das alles lag bis vor einigen Jahrzehnten noch völlig im Dunkeln. Ein Historiker-Projekt an der Universität Bremen hat jetzt gesammelte Erkenntnisse über die Geldwirtschaft im antiken Griechenland in einer Datenbank verarbeitet und sie im Internet für jedermann zugänglich gemacht.
Die "Verführung einer Jungfrau" konnte unter dem athenischen Gesetzgeber Solon (ca. 640-558 v. Chr.) teuer werden. Eine Geldstrafe von 100 attischen Drachmen, so belegt die Textsammlung "Anthologia Graeca", wurde dafür angesetzt. Die Drachme war eher die Münzeinheit, mit der Privatleute im Alltag rechneten. Wer wirklich mit Geld etwas bewirken wollte, musste auch in Griechenland dafür ein Vielfaches der Drachme auf den Tisch legen, zum Beispiel das Talent (tálanton), das 6.000 Drachmen entsprach. Perikles etwa brachte für die Bestechung des Spartanerkönigs Pleistoanax und dessen Berater Kleandridas 20 Talent attisch auf, also 120.000 Drachmen. Für die Freilassung von Geiseln nach einem Aufstand auf Samos bot man Perikles 1 Talent attisch Lösegeld pro Person an.
Der Althistoriker Jörg Spielvogel und seine Kollegen haben - zum großen Teil auf den Vorarbeiten ihres inzwischen verstorbenen Münchner Kollegen Siegfried Lauffer fußend - Textstellen klassischer oder nachklassischer griechischer Autoren über Geld und Finanzen in einer Datenbank zusammengestellt. Unter der Adresse http://nomisma.geschichte.uni-bremen.de/ ist die Datenbank für jedermann einsehbar und benutzbar. Man kann nach bestimmten Stichworten, Zeitabschnitten oder Autoren suchen. Das Zahlenmaterial besteht aus über 2.000 Einträgen, von denen ein Großteil die griechische Welt des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr. betrifft.
Das umfangreiche Zahlenmaterial bietet der Wirtschafts- und Sozialgeschichte wertvolle Hilfestellungen. Für interessierte Laien ist die Datenbank einfach zu handhaben, allerdings muss man schon eine Vorstellung haben, wonach man suchen will, nach welchem Autor oder nach welchem Stichwort.
Doris Marszk


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