Hermann Löher: Vom Inquisitor zum Gegner der Hexenverfolgung ? Augenzeugenbericht aus dem 17. Jahrhundert im Internet

Den Bericht eines Zeugen der Hexenverfolgung haben Archivare der Universität Bonn für das Internet bearbeitet. Der Autor, Hermann Löher, war Anfang des 17. Jahrhundert als Bürgermeister von Rheinbach gleichzeitig Schöffe bei Gerichtsverfahren gegen vermeintliche Hexen. Später geriet seine Familie ebenfalls in das Visier der Hexenverfolger, weshalb Löher mit seiner Familie nach Amsterdam geflohen ist. Dort schrieb er das Buch "Wemütige Klage der Frommen Unschültigen", das nun der Archivar Thomas Becker zusammen mit seiner Frau ins Internet gestellt hat.
Eine Quelle wie diese gibt es kein zweites Mal, sagt Becker. Das Buch sei "eine politische Kampfschrift". Erstmals werden hier Konflikte innerhalb der Hexengerichte dargestellt. "Die Schöffen hatten mitunter eine ganz andere Meinung als der Hexenkommissar, ließen sich aber aus Angst um ihr Leben manipulieren", schreibt Löher.

Im Sommer 1631 begann in Rheinbach der erste Hexenprozess. Kurze Zeit später wurde der Bonner Hexenkommissar Dr. Franz Buirmann hinzugezogen. Löher musste als Schöffe über Nachbarn und Freunde richten. Schließlich wurde sogar sein Schwiegervater nach einem Prozess verbrannt. Als Ehemann eines "Hexenkindes" floh Löher 1636 nach Holland. Vierzig Jahre nach der Flucht hat Löher die Geschehnisse und seine Zweifel an den Hexenprozessen niedergeschrieben.

Die Internet-Ausgabe in Original-Sprache ist insbesondere für Historiker und Germanisten gedacht, erklärt Becker. Die Kapitel 2, 3 und 31 seien aber auch für Laien interessant.
ddp/bdw - Cornelia Pfaff


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