Starb Mozart an einer Infektion mit Trichinose?

Schweinekoteletts könnten schuld sein am Tod von Wolfgang Amadeus Mozart. An Trichinose, einer durch Würmer im Fleisch übertragenen Infektion, sei der berühmte Komponist erkrankt. Das behauptet Jan V. Hirschmann vom Puget Sound Veterinär-Zentrum in Seattle (USA) im Magazin Archives of Internal Medicine.
Die Bewertung dieser jüngsten These aus Übersee durch den Leipziger Arzt und Toxikologen Reinhard Ludewig fällt harsch aus: "Von den unendlich vielen Spekulationen um Mozarts Tod ist das eine der lächerlichsten. Das, was Hirschmann behauptet, kann er mit dem Material, das er anführt, nicht belegen."

Die Symptome Mozarts, der am 5. Dezember 1791 im Alter von 35 Jahren in Wien starb, reichten von Fieber und Ausschlag über Gliederschmerzen bis zu Geschwüren. Es seien die gleichen Symptome wie bei Trichinose, sagt Hirschmann. Der Spezialist für Infektionskrankheiten verweist auf einen Brief, den Mozart 44 Tage vor seinem Tod an Ehefrau Constanze schrieb. Darin erwähnte er Schweinekoteletts. Bis Trichinose ausbricht, dauert es bis zu 50 Tagen. Erst ab 1800 war sie für die Mediziner nachweisbar.

Der 78-jährige Reinhard Ludewig hat sich als Verfasser eines international eingeführten Standardwerkes zu Vergiftungen und jahrzehntelangen Forschungen über die Todesursachen berühmter Komponisten in der Fachwelt einen Namen gemacht. Den Grund, warum so viele hoch qualifizierte Forscher anhand der gleichen Quellen über Mozart zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen kommen, sieht Ludewig darin: "Die Originaldokumente sind lückenhaft, zum Teil verfälscht und widersprüchlich. Auch die Zeitzeugen, unter denen es viele Hallodri gab, sind unzuverlässig." Hinzu kommt: "Anders als bei Beethoven haben wir bei Mozart keinen Obduktionsbefund. Er konnte auch nicht exhumiert werden, weil wir über den Verbleib seiner Gebeine nichts wissen."

Für definitiv widerlegt hält er allerdings die zähe Legende, Mozart sei von seinem Erzrivalen Antonio Salieri, dem Wiener Hofkapellmeister, mit Quecksilber vergiftet worden. "Quecksilber verursacht eine Zitterschrift, Mozart aber hat bis kurz vor seinem Tod gestochen klar geschrieben."

Wahrscheinlich sei ein unglückliches Zusammentreffen mehrerer Faktoren - die Einnahme von Brechweinstein und Aderlässe - für Mozarts Tod verantwortlich, meint Ludewig. "Kaum strittig ist, dass sein Tod nur wenige Stunden nach dem letzten Aderlass eintrat." Dass Mozart in seinen letzten Monaten "unaufhörlich medicinierte", stehe nach glaubwürdigen Aussagen auch fest. "Welche Krankheit er damit kurieren wollte, weiß man nicht." Überliefert ist, dass der Komponist seit frühester Kindheit sich aus der reichhaltigen Haus- und Reiseapotheke von Vater Leopold Mozart des öfteren bediente.

Bettina Hellenkamp/dpa


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