Warum so viele antike Nackedeis?

Antike Kunst zeigt Menschen oft unverhüllt. (Foto: piola666/iStock)

Unbekleidete Athleten, Helden oder sogar Götter: Die Kunst der griechisch-römischen Antike spart oft kein Detail aus. Hatten die damaligen Menschen tatsächlich eine so große Vorliebe für Freikörperkultur – was hat es mit all den Nackedeis auf sich? Das hat uns Johanna R. gefragt – vielen Dank darfür!

"Körperkult war in der Antike ein Teil der Kultur und die Menschen gingen mit Nacktheit auch unbekümmerter um als in späteren Zeiten", sagt Stefan Ritter vom Institut für Klassische Archäologie der LMU München. Auch damals wollten die Menschen schon gerne Ideale sehen: Ein schöner Körper dokumentierte allerdings nicht nur Gesundheit und Leistungsfähigkeit, sondern auch innere Schönheit: "In dieser Verknüpfung von körperlichen und moralischen Wertvorstellungen liegt ein grundlegender Unterschied zu unserem heutigen, ganz allein auf das körperliche Erscheinungsbild fixierten Umgang mit dem nackten Körper", betont Ritter.

Grundsätzlich war aber auch in der Antike angemessene Kleidung wichtig. "Nacktheit war eben nur nicht so tabuisiert wie in späteren Zeiten", sagt Ritter. Viele Statuen und Abbildungen zeigen Personen aber durchaus bekleidet, vor allem, wenn das Körperideal nicht im Vordergrund stand. Beispielsweise tragen die Statuen der griechischen Philosophen oder der römischen Kaiser die typischen in Falten gelegten Gewänder der Antike.

Sport splitterfasernackt

Im Sport ging es hingegen klar um Körperkult. Der Ort für den Sport war bei den alten Griechen das sogenannte Gymnásion. Diese Bezeichnung verrät bereits die freizügige Kleiderordnung: gymnós, bedeutet nackt. "Beim Sport waren die Männer in der Antike tatsächlich unbekleidet - so wie es die Abbildungen zeigen", sagt Ritter. Selbst die olympischen Spiele absolvierten die Athleten auf diese Weise - der Körperkult der damaligen Zeit forderte einen völlig freien Blick: Nicht einmal ein Lendenschurz bedeckte die Männer bei ihren sportlichen Leistungen.

Nacktheit war Männersache

"Nacktheit wurde allerdings bei Männern und Frauen unterschiedlich bewertet", sagt Ritter: Auch Frauen trieben in der Antike durchaus Sport, für sie galt aber Nacktheit dabei als unschicklich. Bei ihren Wettkämpfen, den sogenannten Heräen rannten sie deshalb bekleidet um die Wette. Auch in der Badekultur der Römer galten für Frauen und Männer unterschiedliche Regeln. Die Badezeiten von Männern und Frauen waren meist zeitlich oder räumlich getrennt. Während die Männer meist nackt badeten, trugen die Frauen Badekleidung, die aus einer Art Höschen und einem Bikini bestand.

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