Die zwergwüchsigen Elefanten des Pharao

Mittelalterliche Darstellung eines antiken Kriegselefanten.

Eritreas Elefanten sind ein versprengter Haufen. Die nördlichste aller afrikanischen Elefantenpopulationen umfasst gerade einmal 120 Tiere. 400 Kilometer Luftlinie trennen sie von der nächsten Herde. Die Vorfahren dieser Dickhäuter gelangten einst als Kriegselefanten eines Pharaos zu Ruhm. Doch ihre Beschreibung in den Geschichtsbüchern gibt Gelehrten seit langem Rätsel auf: Die kämpfenden Tiere waren offenbar besonders klein. Eine DNA-Untersuchung soll nun Aufschluss über die Gründe geben.

Die  Geschichte des Elefanten-Rätsels begann mit dem Tod Alexanders des Großen. Sein riesiges Reich wurde unter seinen Generälen aufgeteilt, die umgehend Kriege um Land und Macht anzettelten.  Einer dieser Konflikte gipfelte 217 vor Christus in der Schlacht von Raphia. Gegenüber standen sich die Heere des ägyptischen Pharaos Ptolemaios IV und des seleukidischen Königs Antiochos III, dessen Herrschaftsgebiet von der Türkei bis nach Pakistan reichte.

Zu kleine Kriegselefanten

Antiochos zog mit Asiatischen Elefanten in den Kampf. Ptolemaios hatte dagegen in Eritrea Afrikanische Kriegselefanten erstanden. In der Schlacht von Raphia traten beide Arten zum ersten und einzigen Mal gegeneinander an. Doch während die Asiatischen Elefanten tapfer drauflos stürmten, verließ ihre Afrikanischen Verwandten schnell der Mut. „Sie ertrugen den Gestank und das Trompeten der Asiatischen Elefanten nicht und fürchteten wohl auch ihre Größe und Stärke", schreibt der römische Historiker Polybius. „So drehten sie auf der Stelle um und flohen, bevor sie ihnen zu nahe kamen."

Bis zum 19. Jahrhundert hielten Gelehrte diese Geschichte für bare Münze – wohl der Grund dafür, dass der Asiatische Elefant den lateinischen Namen Elephas maximus trägt, obwohl er in Wirklichkeit kleiner ist als sein afrikanischer Verwandter. Doch je mehr leibhaftige Dickhäuter die europäischen Forscher während der Kolonialzeit zu Gesicht bekamen, desto rätselhafter erschien ihnen Polybius' Version der Dinge.  Warum waren die afrikanischen Dickhäuter in seinem Bericht die Kleineren? Hatte Ptolemaios in Eritrea etwa Waldelefanten gekauft? Oder handelte es sich bei seinen offenbar zwergwüchsigen Kriegselefanten um eine ausgestorbene Unterart?

Genetisch kein Unterschied feststellbar

Um die Vergangenheit der eritreischen Rüsseltiere zu enträtseln, untersuchten Adam Brandt von der University of Illinois in Urbana und Kollegen das  Erbgut der verbliebenen Tiere in Eritrea. Die Forscher konzentrierten sich dabei vor allem auf die mütterlicherseits vererbte mitochondriale DNA, da weibliche Elefanten in der Regel ein Leben lang in ihrem Revier bleiben. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im „Journal of Heredity". Genetische Spuren, die auf eine Kreuzung mit Waldelefanten, Asiatischen Elefanten oder einer bisher unbekannten Art hindeuteten, fanden sie dabei jedoch nicht.

„Mit Hilfe von drei verschiedenen Markern haben wir herausgefunden, dass es sich bei den eritreischen Elefanten um Savannen-Elefanten handelt", sagt Brandt. Damit sind die Nachkommen der von Polybius beschriebenen Dickhäuter zumindest genetisch ganz normale Afrikanische Elefanten. „Ihre DNA war jener von benachbarten Populationen von Savannen-Elefanten sehr ähnlich, hatte jedoch eine geringe genetische Vielfalt, wie es von solch einer kleinen, isolierten Population zu erwarten ist."  
In ihrer Studie schreiben die Forscher: „Obwohl unsere Ergebnisse nicht vollständig ausschließen können, dass in der Vergangenheit irgendwo in Eritrea Waldelefanten lebten, liefern unsere Daten keine Anhaltspunkte für diese Vermutung." Vielleicht liegt der Fehler also schlicht bei Polybius. Die Forscher sorgen sich jedenfalls stärker um die Zukunft der eritreischen Elefanten als ihre Vergangenheit. Erstens droht Inzucht, zweitens wird der Lebensraum knapp. „Das ist das eigentliche Problem", sagt Brandt. „Sie können nirgendwo hin."

 

 

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