Doch kein Blut von Ludwig XVI.?

König Ludwig XVI. im Krönungsornat (historisch)

Ist es das Blut von Ludwig XVI.? Seit einigen Jahren wird um ein Taschentuch aus der Zeit der französischen Revolution gestritten. Denn ein Blutfleck darauf könnte vom letzten Bourbonenkönig stammen. Ein Zeuge der Hinrichtung soll das Blut des Geköpften damit aufgetupft haben. Doch genetische Analysen des Flecks brachten bisher widersprüchliche Ergebnisse. Ein Forscherteam hat nun erneut nach Spuren in der historischen DNA gesucht. Ihr Fazit: Es ist zwar nicht komplett ausgeschlossen, dass das Blut von Ludwig XVI. stammt – aber doch sehr unwahrscheinlich. Denn die Gene gehören einem Mann, der ganz anders aussah als der Bourbonenkönig.

Ludwig der XVI. starb durch sein Volk: Er wurde am 21. Januar 1793 geköpft, nachdem er von den Vertretern der französischen Revolution erst entthront und dann zum Landesverräter erklärt worden war. Im Jahr 2010 sorgte dann ein ungewöhnlicher Fund für Aufsehen: Forscher hatten einen verzierten, getrockneten Kürbis entdeckt, der als Behältnis für ein beflecktes Taschentuch diente. Dieses sollte, so besagte es eine Inschrift auf dem Behälter, das Blut von Ludwig XVI. enthalten. Ein Zeuge der Hinrichtung, Maximilien Bouradoue, soll das Taschentuch in das Blut des geköpften Königs getaucht und aufbewahrt haben.

Widersprüchliche Ergebnisse

Noch im gleichen Jahr gelang es Forschern, Erbgutfragmente des Y-Chromosoms aus dem Fleck zu extrahieren. Diese DNA-Sequenzen verglichen sie mit dem Y-Chromosom eines weiteren historischen Fundes: den mumifizierten Überresten des französischen Königs Henri IV. Dieser lebte sieben Generationen vor Ludwig XVI und war in direkter Linie mit diesem verwandt. Das Ergebnis: Mit Ausnahme eines Genmarkers passte das DNA-Profil von Leiche und Blutfleck gut zusammen. Das sprach dafür, dass das Blut auf dem Taschentuch tatsächlich von dem enthaupteten Bourbonenkönig stammen könnte. Kurze Zeit später jedoch kam eine andere Forschergruppe zu genau dem gegenteiligen Schluss. Sie hatten die Y-Chromosom-DNA des Blutflecks mit dem dreier heute lebender Bourbonen verglichen – und fanden keinerlei Übereinstimmung.

Um mehr Licht in diese widersprüchlichen Ergebnisse zu bringen, zogen Iñigo Olalde von der Universität Pompeu Fabra in Barcelona und seine Kollegen nun erstmals nicht nur das Y-Chromosom heran: Sie sequenzierten erstmals das gesamte im Blutfleck enthaltene Erbgut. Anhand dieser DNA-Sequenzen überprüften sie zunächst die Herkunft des Blutträgers. Die Vorfahren Ludwigs XVI. waren sehr gemischten Ursprungs, wie sie berichten. Acht seiner 16 Urur-Großeltern stammten aus Deutschland, vier aus Polen, einer aus Savoyen und einer aus Frankreich. Sollte es sich um das Blut des Königs handeln, müsste daher auch seine DNA die für diese Volksgruppen typischen DNA-Merkmale aufweisen. Doch der Vergleich mit Erbgutmustern heutiger Populationen ergab stattdessen die größten Ähnlichkeiten mit Personen norditalienischer Abstammung. "Das macht es unwahrscheinlich, wenn auch nicht unmöglich, dass das Blut das des französischen Königs ist", konstatieren Olalde und seine Kollegen.

Kein Riese mit blauen Augen

Doch noch etwas spricht dagegen: das Aussehen des "Blutspenders". Denn im nächsten Schritt ihrer Analysen suchten die Forscher gezielt nach Genen, die Augenfarben und Körpergröße beeinflussen. Nach historischen Aufzeichnungen soll Ludwig XVI. ungewöhnlich groß gewesen sein. Dies und die Länge seines Krönungsmantels lassen darauf schließen, dass er 1,85 bis 1,90 Meter groß war, so die Wissenschaftler. In den zeitgenössischen Portraits wird der Bourbone zudem immer mit blauen Augen dargestellt. Die Genanalysen von Olalde und seine Kollegen ergaben jedoch, dass das Blut mit mehr als 89 Prozent Wahrscheinlichkeit von einer Person mit braunen Augen du einer nur durchschnittlichen Körpergröße stammen muss.

"Wir können zwar nicht komplett ausschließen, dass das Blut in dem Kürbisbehälter vielleicht doch Ludwig XVI. gehört", betonen die Forscher. Aber ihre genetischen Daten sprächen eher dagegen, dass dies eine Blutprobe des geköpften Bourbonenkönigs sei. Um dies endgültig auszuschließen, müsse man nun eine noch genauere Sequenzierung des aus den Blutresten isolierten Erbguts vornehmen und diese dann auch mit komplett sequenzierten Genomen von heute lebenden Bourbonen vergleichen.

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