Traurige Fracht

Eine aktuelle Studie hat den Ursprung der Malariaerreger in Südamerika aufgedeckt: Der Sklavenhandel des 16. Jahrhunderts hat sie von Afrika in die Neue Welt eingeschleppt, zeigen genetische Vergleiche. Bisher war unklar, ob die Tropenkrankheit nicht bereits ältere Wurzeln in Südamerika besaß.
Die Wissenschatler untersuchten das Erbgut des Erregers in mehr als 1.000 Blutproben von Malariapatienten aus 23 Ländern Afrikas, Asiens, des Mittleren Ostens und Lateinamerikas. Dabei konnten sie anhand von Unterschieden in der DNA des Malaria-Erregers Plasmodium falciparum Verwandtschaftsverhältnisse und die Reiserouten der Parasiten rekonstruieren. So wurde deutlich, dass Schiffe der französischen, portugiesischen und spanischen Kolonialherren nicht nur Sklaven aus Afrika brachten, sondern mit ihnen auch die Malaria-Erreger.

Den Forschern zufolge gelangten zwei unterschiedliche Hauptstämme von Plasmodium falciparum aus unterschiedlichen Regionen Afrikas nach Amerika: Ein Stamm verbreitete sich in den heutigen Gebieten von Brasilien, Bolivien und Französisch-Guayana, den zweiten Stamm schleppten die spanischen Sklavenschiffe nach Kolumbien ein. In Peru und Venezuela mischten sich diese beide Stämme später und bildeten neue Typen, sagen die Forscher. Sie vermuten, dass die hohen Berge der Anden die Ausbreitug der Malaria eine Zeit lang verhinderten uns so beide Länder schützten.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind 21 Länder in Süd- und Mittelamerika von Malaria betroffen, rund 700.000 Menschen erkrankten dort im vergangenen Jahr an der gefährlichen Infektion. Die Krankheit beginnt mit grippeähnlichen Beschwerden. Die Symptome sind hohes, wiederkehrendes Fieber, Schüttelfrost, Beschwerden des Magen-Darm-Trakts und Krämpfe. Die Beschwerden können immer wieder auftreten und besonders für Kinder, Schwangere, ältere Menschen und Personen mit einem geschwächten Immunsystem lebensgefährlich sein.
Erhan Yalcindag, Université de Montpellier, et al.: Naturwissenschaften, DOI: 10.1073/pnas.1119058109

© wissenschaft.de ? Martin Vieweg


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