Rosa Umhänge für die Bamiyan-Buddhas

Die beiden vor fast genau zehn Jahren von den Taliban zerstörten riesigen Buddha-Figuren im afghanischen Bamiyan-Tal waren ursprünglich leuchtend bunt: Ihre wallenden Umhänge hatten ein dunkelblaues Futter und waren auf der Außenseite rosafarben, wurden jedoch später in Orange übermalt. Das haben Münchner Wissenschaftler entdeckt, als sie Hunderte von Fragmenten der beiden Statuen untersuchten. Sie stießen dabei auf die Überreste mehrerer Farbschichten, die darauf hindeuten, dass die Figuren immer wieder neu bemalt wurden - entweder, um ihr Erscheinungsbild zu verändern oder weil die Farben zu verblassen begannen. Bei ihrer Analyse konnten die Forscher um Erwin Emmerling vom Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft auch den Entstehungszeitraum sowie die verwendete Bauweise genauer charakterisieren. Im Endeffekt sollen diese Daten dabei helfen, die einzigartigen Statuen zumindest zum Teil zu rekonstruieren, berichtet die Technische Universität München.
Der Kern der Buddha-Figuren war direkt aus dem roten Sandsteinfels des Kliffs im Bamyian-Tal herausgemeißelt worden, die Details - speziell die wallenden Gewänder - entstanden jedoch durch das Auftragen von zwei bis drei Schichten Lehm. Darin fanden sich Tierhaare, die laut den Wissenschaftlern den Putz wie Glasfasern stabilisierten, Stroh und Häcksel, die Feuchtigkeit aufnehmen sollten und andere Zusätze, die dem Schrumpfen der Lehmschicht entgegenwirkten. Das Resultat sei beeindruckend, sagt Emmerling: "Das sind glatte, perfekte Oberflächen - eine Qualität, wie sie sonst nur gebrannte Materialien wie etwa Porzellan haben." Dank eines Unterbaus aus Seilen und Holzpflöcken waren die Putzschichten zudem äußerst stabil: "Die haben nicht nur fast 1.500 Jahre überlebt, sondern in Teilen sogar die Sprengung", erzählt der Restaurator.

Ursprünglich errichtet wurden die Figuren im 6. Jahrhundert oder dem frühen 7. Jahrhundert, das hatten bereits Schätzungen ergeben. Die Untersuchungen der Münchner Wissenschaftler bestätigen diese Daten: Die kleinere, immerhin noch 38 Meter hohe Figur entstand zwischen den Jahren 544 und 595 und die mit 55 Metern größere etwas später, im Zeitraum zwischen 591 und 644. Damals bekamen die Statuen auch ihre farbenfrohe Kleidung, vermuten die Forscher. Ursprünglich waren die Umhänge auf der Innenseite wohl dunkelblau und außen rosa bemalt. Dann wurde das Rosa offenbar durch ein leuchtendes Orange ersetzt. Noch etwas später bekam der kleinere Buddha einen weißen und der größere einen roten Mantel mit jeweils hellblauem Innenfutter. Wie der Rest der Figuren bemalt war, können die Wissenschaftler zumindest im Moment noch nicht sagen.

Die Arbeit des Münchner Teams gehört zu einem großen Projekt, das vom Internationalen Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) koordiniert wird. Im Rahmen der Untersuchungen waren japanische Forscher bereits vor knapp drei Jahren in Bamiyan auf eine künstlerische Sensation gestoßen: In Nischen und Höhlen, die rund um die Buddha-Figuren ins Kliff getrieben wurden, entdeckten sie die ältesten Ölmalereien der Welt. Sie stammen vermutlich ebenfalls aus dem 7. Jahrhundert und sind damit mehrere Hundert Jahre älter als die bis dahin ältesten bekannten Ölgemälde.
Mitteilung der Technischen Universität München

dapd/wissenschaft.de - Ilka Lehnen-Beyel


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