Im Auge des Kopernikus

Der Astronom Nikolaus Kopernikus hatte wahrscheinlich blaue oder hellgraue Augen. Das schließen Wissenschaftler aus Polen und Schweden aus Genanalysen von Gebeinen, die 2004 in der Kathedrale der polnischen Stadt Frombork (Frauenburg) entdeckt worden waren. Diese Überreste hatten Forscher bereits im vergangenen Jahr dem im Jahr 1543 gestorbenen Astronomen zugeordnet, von dem 200 Jahre nicht bekannt war, wo genau er seine letzte Ruhestätte gefunden hatte. Mit ihren neuen Analysen untermauerten die Wissenschaftler um Wieslaw Bogdanowicz von der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau diese Ergebnisse und stießen zugleich auf die Hinweise auf die potenzielle Augenfarbe des Gelehrten, der in Portraits meist mit dunklen Augen dargestellt wird.
Als polnische und schwedische Wissenschaftler im vergangenen Herbst ihre Analysen vorstellten, stützten sie sich auf DNA-Proben aus den Zähnen eines Skeletts aus der Kathedrale von Frombork. Diese Untersuchungen ergaben eine Übereinstimmung mit Erbgut aus zwei Haaren, die Forscher in einem astronomischen Kalender entdeckt hatten, der viele Jahre im Besitz des Wissenschaftlers und Priesters war. Diesem Mosaik haben Bogdanowicz und seine Kollegen nun weitere Bausteine hinzugefügt, indem sie auch Genproben aus dem Oberschenkel des Verstorbenen analysierten und die Ergebnisse mit Daten verglichen, die Anthropologen bei Genanalysen in verschiedenen europäischen Ländern gesammelt hatten.

Die Wissenschaftler stellten in ihrer Analyse eine sichere Übereinstimmung zwischen dem Erbgut der beiden Haare und den in der polnischen Kathedrale entdeckten Knochen fest. Damit könnten die Gebeine zweifelsfrei dem Astronomen zugeordnet werden, konstatieren die Forscher. Zudem entdeckten die Wissenschaftler ein genetisches Muster, das bei etwa 80 Prozent aller blau- oder grauäugigen Menschen vorkommt. Der Gelehrte hatte demnach wahrscheinlich helle Augen, vermuten die Wissenschaftler. Portraits des Gelehrten, der mit seiner Theorie vom Lauf der Himmelskörper um die Sonne in die Wissenschaftsgeschichte einging, zeigen allerdings meist einen Menschen mit dunklen Augen. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass die zeitgenössische Maler Maltechniken einsetzten, die helle Augenfarben nur unzureichend darstellen konnten, schreiben Bogdanowicz und seine Kollegen.
Wieslaw Bogdanowicz (Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau) et al.: PNAS, doi:10.1073/pnas.0901848106

ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald


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