Wie Kinder Mathe besser meistern

Wenn Erzieher Vorschulkindern Geschichten vorlesen, in denen Mengenverhältnisse vorkommen, verbessert das deren mathematische Fähigkeiten. (Foto: monkeybusinessimages/iStock.com)

Viel, mehr, wenig, weniger, drinnen, draußen, oben, unten – was wie eine unsinnige Wortreihe klingt, könnte Vorschulkindern einmal gute Noten in Mathematik bescheren. US-amerikanische Sozialforscher haben untersucht, inwieweit sich die Rechenfähigkeiten von drei- bis fünfjährigen Kindern verbessern, wenn ihnen aus Büchern vorgelesen wird, die von Mengen und räumlichen Verhältnissen handeln. Das Ergebnis: Die Kinder schnitten anschließend deutlich besser in Mathe-Tests ab als ihre Altersgenossen.

An der Mathematik scheiden sich die Schülergeister. Während einem Teil Algebra, Geometrie oder Stochastik kaum Probleme bereiten, tun sich andere Zeit ihres Schullebens schwer damit. Schlechte Noten lassen sich vielleicht vermeiden, wenn bereits früh in die mathematischen Fähigkeiten von Kindern investiert wird. Das legt zumindest ein Experiment von Sozialwissenschaftlern um David Purpura von der Purdue University nahe. "Wenn Kindern Geschichten vorgelesen werden – mit für ihr Alter passenden mathematischen Begriffen und Bildern – und anschließend mit ihnen in kleinen Gruppen darüber gesprochen wird, schneiden diese Kinder in Mathetests besser ab", fasst Purpura die Ergebnisse zusammen. "Auch mathematische Fähigkeiten, die nicht in den Geschichten behandelt wurden, verbessern sich."

Für ihren Versuch teilten die Forscher 47 amerikanische Vorschulkinder im Alter von drei bis fünf Jahren in zwei nahezu gleichgroße Gruppen ein. Die eine Gruppe wurde gemäß des regulären Erziehungsplans unterrichtet. Für die anderen Kinder entwickelten die Wissenschaftler einen achtwöchigen Lehrplan mit drei Sitzungen pro Woche à 20 Minuten: Die Erzieher sollten den Kindern insgesamt sechs Bücher vorlesen, in denen die Geschichten besonders häufig von Mengen- und räumlichen Verhältnissen handeln. Die Kinder sollten jedoch nicht nur zuhören, sondern auch Fragen beantworten, etwa: "Woher wissen wir, dass das Mädchen mehr besitzt als die Jungen?" oder "Sitzt der Vogel auf oder unter dem Baum?"

Außerdem kamen in den vorgelesenen Texten keine Rechenaufgaben oder absolute Zahlen vor, es hieß also nicht: "Drei Mädchen stehen unter einem Baum", sondern "wenige Mädchen stehen unter einem Baum". Insgesamt kamen in den Büchern 56 quantitative und räumliche Begriffe vor wie "viel", "mehr", "drinnen" oder "nahe", die auch die Erzieher in ihren Fragen aufgriffen. Jedes Buch enthielt durchschnittlich 38 solcher Termini.

Besser in Mathe

Vor Versuchsbeginn und am Ende testeten die Forscher bei allen 47 Kindern die numerischen Fähigkeiten und den Umfang ihres mathematischen und allgemeinen Vokabulars. Um beispielsweise das rechnerische Können zu testen, zeigten die Forscher den Kindern Bilder und stellten Fragen dazu – in der Art: "Wie viele Hunde siehst du da?" Oder: "Deute auf die achte Ente in der Reihe." Beim Abschlusstest zeigte sich, dass die Kinder nach acht Wochen besser rechnen und besser mit mathematischen Begriffen umgehen konnten. Bei der Kontrollgruppe, die nach dem regulären Erziehungsplan unterrichtet wurde, konnten die Forscher keine signifikanten Unterschiede feststellen. Was bei beiden Gruppen unverändert blieb, waren die allgemeinen Sprachkenntnisse.

Wenn Vorschulkinder Mengen in Beziehung setzen oder sich Dinge und Zahlen räumlich vorstellen können, fallen ihnen simple Matheaufgaben nicht schwer. Sie können sich etwa leichter vor Augen führen, dass auf vier fünf und auf fünf sechs folgt. "Der Ansatz [unserer Studie] ist nicht neu, aber wir glauben, dass dies die erste Studie ist, die gezeigt hat, dass das bewusste Unterrichten von [mathematischen] Sprachkonzepten einen Unterschied beim Erlernen von mathematischen Grundfähigkeiten macht", erklärt Purpura.

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