Was "Handy-Forensik" über uns verraten kann

Probenahme von einem Handy. (Bild: Amina Bouslimani and Neha Garg)

Manche legen es bekanntlich kaum mehr aus der Hand - das Handy kann dadurch zu einem forensischen Spiegel des Lebenswandels seines Besitzer werden, zeigt eine Studie. Denn: Nahrungsmittel, Medikamente, Kosmetika... viele Substanzen, mit denen wir Umgang haben, hinterlassen an unseren Fingern Spuren, die wir dann auf häufig benutzte Objekte übertragen. Die Forscher konnten nun zeigen, welche detaillierten Hinweise ein "Handy-Profiling" über Menschen bereits liefern kann.

"Man stelle sich ein Szenario vor, in dem ein Tatort-Ermittler ein persönliches Objekt - ein Handy, einen Stift oder einen Schlüssel findet – allerdings ohne Fingerabdrücke oder aufschlussreiche genetische Spuren. Somit gäbe es keine Hinweise auf den Besitzer", sagt Pieter Dorrestein von der University of California in San Diego. "Deshalb sind wir der Frage nachgegangen, was man über den Lebensstil einer Person herausfinden kann, wenn man Spuren der Haut-Chemie auf einem benutzten Gegenstand analysiert", erklärt der Wissenschaftler.

Pobennahme mit dem Tupfer

An der Studie nahmen 39 Probanden samt ihrer Handys teil. Von den Oberflächen der Geräte sowie von den Händen der Probanden entnahmen die Forscher durch Tupfer Proben. Diese wurden anschließend mittels Massenspektrometrie analysiert. Es handelt sich dabei um ein Verfahren zur Charakterisierung von chemischen Verbindungen. Sie werden dabei zunächst in die Gasphase überführt und ionisiert. Diese geladenen Teilchen werden dann durch ein elektrisches Feld beschleunigt und dadurch auftrennt. Letztlich erzeugen die Proben dadurch ein charakteristisches Profil, das Rückschlüsse auf ihre Bestandteile ermöglicht.

Um Substanzen in den Proben aufzudecken, verglichen die Forscher die Ergebnisse der massenspektrometrischen Proben-Analysen mit den Informationen der Datenbank "GNPS". In ihr sind bekannte Profile bestimmter Stoffe archiviert. Auf diese Weise konnten  die Wissenschaftler zu jedem Handy ein personalisiertes "lifestyle read-out" des Besitzers erstellen und mit den Ergebnissen bei den realen Personen vergleichen.

Aufschlussreiches Substanz-Profil

Anhand der Substanz-Spuren auf den Handys spiegelte sich beispielsweise wider, dass jemand bestimmte medizinische Hautcremes einsetzte, Haarausfall bekämpfte, Antidepressiva schluckte oder Augentropfen benutzte. Nahrungsmittel betreffend konnten die Forscher bestimmte Spuren von Zitrusfrüchten, von Koffein sowie von Kräutern und Gewürzen nachweisen. Mit anderen Worten: "Durch die Analyse der Moleküle, die eine Person auf dem Handy hinterlässt, können wir eine Menge über sie aussagen – über das Geschlecht, ob sie High-End-Kosmetika verwendet, die Haare färbt, Kaffee trinkt, Bier oder Wein bevorzugt, scharfes Essen mag, gegen Depression behandelt wird und so weiter", sagt Co-Autorin Amina Bouslimani. Gibt es Spuren von Sonnencreme und Insekten-Spray, legt dies beispielsweise nahe, dass jemand relativ viel Zeit im Freien verbringt".

Inhaltsstoffe von Sonnenschutzmitteln und Mückenschutz-Produkten waren in diesem Zusammenhang sogar noch feststellbar, nachdem Probanden diese schon monatelang nicht mehr benutzt hatten. Es lassen sich demnach sogar langfristige Aspekte des Lebensstils skizzieren, sagen die Forscher. "Dies sind die Art Informationen, die einem Ermittler helfen könnten, die Suche nach dem Eigentümer eines Objekts einzuschränken", so Bouslimani.

Die Forscher betonen, dass man mit den Ergebnissen niemanden so genau identifizieren kann wie bei einem Fingerabdruck. Um die Profile aber immer präziser zu machen,  sollten nun die massenspektrometrischen Vergleichsinformationen zu Substanzen erweitert werden. Beispielsweise zu Nahrungsmitteln, Kleidungsmaterialien und so weiter. Eine umfassende Molekül-Spuren-Datenbank sei das Ziel, sagt Dorrestein. Neben der Forensik könnte dies ihm zufolge auch in anderen Bereichen interessant sein: Analysen von Molekül-Spuren auf der Haut könnten beispielsweise verraten, ob Patienten auch kontinuierlich ihre Medikamente benutzen. Auch die Untersuchung von Umweltbelastungen sei durch das Verfahren möglich: Beispielsweise ob jemand in seinem täglichen Leben Giftstoffen ausgesetzt ist.

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