Editor's Pick: Smalltalk mit Aliens

Die Sprachwissenschaftlerin Louise Banks hat im Film „Arrival" ihren Schutzanzug abgestreift, um den Außerirdischen persönlich entgegenzutreten. Sie kommunizieren über Schriftzeichen. (Foto: © 2016 Sony Pictures Releasing GmbH)

Im Film "Arrival" tauchen Außerirdische auf, die aussehen wie große Tintenfische und Laute von sich geben wie Wale. Was führt sie auf die Erde? Eine Sprachwissenschaftlerin soll das herausfinden und gelangt an die Grenzen ihrer Fähigkeiten. Ein Journalist ist mit einem echten Linguisten ins Kino gegangen, und sein Bericht ist meine Empfehlung der Woche.

Die Aliens sind mit zwölf Raumschiffen gelandet und das US-amerikanische Militär bittet eine Sprachwissenschaftlerin um Hilfe: Sie soll herausfinden, was die Außerirdischen wollen. So nimmt der schöne Film "Arrival" von Dennis Villeneuve seinen Lauf. Der Philosoph Willard Van Orman Quine hat diese Situation vor gut 50 Jahren als "radikale Übersetzung" beschrieben: Wenn man gar nichts übereinander weiß, so seine These, dann kann man sich bei der Übersetzung nie ganz sicher sein.

Quines Beispiel ist das eines fiktiven Ethnologen, der mit einem Eingeborenen zusammensteht, während ein Kaninchen vorbeihuscht. "Gavagai", sagt der Eingeborene. Damit könnte er das Kaninchen gemeint haben, denkt sich der Ethnologe. Aber dann kommen ihm Zweifel: was, wenn in der fremden Kultur die Dinge ganz anders systematisiert werden? Ob der Eingeborene auch Hasen als Gavagai betrachtet, bekommt der Ethnologe leicht heraus: Er zeigt ihm einen Hasen und fragt: "Gavagai?" Aber in der fremden Kultur könnten Tiere auch als unbelebte Materieklumpen gesehen werden, denen in diesem Fall die Kaninchenhaftigkeit Leben einhaucht. Es gibt viele Interpretationsmöglichkeiten, von denen uns die meisten absurd vorkommen – aber man kann sie nicht ausschließen. Und was für fremde menschliche Kulturen gilt, gilt erst recht für außerirdische.

Meinen sie Waffe oder Werkzeug?

Im Film "Arrival" macht die Verständigung trotzdem bald Fortschritte, denn die Außerirdischen sind intelligent und an der Kommunikation interessiert. Aber die Sprachwissenschaftlerin muss ihre Mitmenschen immer wieder vor Schnellschüssen warnen. Sie macht die Schwierigkeit an der zentralen Frage klar, was die Aliens auf der Erde wollen. Man muss zum Beispiel sicherstellen, dass sie verstehen, wer gemeint ist. Man will ja nicht auf die persönlichen Wünsche eines Aliens hinaus, sondern auf das Ziel ihrer Mission. Aber als die Aliens auf Waffen zu sprechen kommen, ist es vorbei. Niemand hört mehr auf die Sprachwissenschaftlerin, die ruft: "Wir wissen nicht, ob sie zwischen Waffen und Werkzeugen unterscheiden."

Der Wissenschaftsjournalist und Buchautor Christian Schwägerl hat den Film mit einem Linguisten gesehen und beschreibt die professionelle Reaktion des Forschers und auch das gegenseitige Kennenlernen in einer lesenswerten Rezension. Es ist der Auftakt einer Serie von Beiträgen über wissenschaftlich interessante Filme. Und es ist Teil der neuen Plattform "Riff", auf der Schwägerl mit einigen Kollegen neue journalistische Formate ausprobiert. Eine Alpha-Version des Riffs ging gerade an den Start. Die Texte, Bilder, Audiodateien und Videos sind kostenpflichtig – der ausführliche Beitrag zu "Arrival" kostet zum Beispiel 99 Cent – und sollen mit der Zeit eine faire Bezahlung der Journalisten ermöglichen.

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