Editor's Pick: Mithelfen in der Medizin

Klinische Studien auszuwerten ist eine Kunst. (Foto: iStock/poba)

Wer etwas über klinische Studien lernen möchte, kann mithelfen beim Sichten der umfangreichen Fachliteratur. Medizinische Vorkenntnisse werden nicht benötigt, denn die gemeinnützige Cochrane Collaboration erklärt ihren Helfern alles, was sie wissen müssen. Ein gutes Projekt aus dem wachsenden Bereich der Citizen Science (Bürgerwissenschaft), findet der bdw-Chefredakteur.

Der schottische Schiffsarzt James Lind hat es 1747 vorgemacht: Er entdeckte mit wissenschaftlicher Methodik eine Therapie für Skorbut. Auch ohne zu wissen, dass die Krankheit durch einen Mangel an Vitamin C ausgelöst wird, erkannte er, was dagegen hilft: Zitronensaft. Um das beste Mittel gegen Skorbut zu finden, gab er jeweils zwei erkrankten Seemännern ein anderes Mittel (er testete beispielsweise auch Apfelwein und Essig). Schon nach wenigen Tagen stand der Sieger fest: Die mit Zitronensaft behandelten Seemänner waren wieder auf dem Weg der Besserung.

Klinische Studien laufen heute im Prinzip nach demselben Muster ab: Man gibt Patienten unterschiedliche Medikamente und beobachtet die Wirkung. Oft wird ein Wirkstoff mit einem Scheinmedikament, einem Plazebo, verglichen. Der Wirkstoff muss besser wirken als die Zuckerpille, um eine Chance auf die Marktzulassung zu bekommen. Solche Versuche werden randomisierte kontrollierte Studien genannt (im Englischen als "RCT" angekürzt: randomized controlled trial), wenn die Patienten per Los in die Wirkstoff- oder die Plazebo-Gruppe aufgeteilt werden. Der Zufall ist wichtig, weil sonst unerwünschte Faktoren den Ausschlag geben könnten. Der Versuchsleiter könnte zum Beispiel bewusst oder unbewusst die leicht Erkrankten mit dem Medikament behandeln und die schweren Fälle mit dem Plazebo. Dann hätte das Medikament einen ungerechtfertigten Vorteil.

Freiwillige gesucht

Doch mit den RCTs ist die klinische Forschung nicht zu Ende. In den Studien werden oft nur kleine Unterschiede in der Wirkung ermittelt. Um zuverlässiger die beste Therapie auswählen zu können, werden die Versuche mehrfach wiederholt. Die Cochrane Collaboration – benannt nach dem schottischen Arzt Archibald Cochrane – hat sich der Aufgabe verschrieben, solche Studien in sogenannten Metaanalysen zusammenzuführen, um ein besseres Bild zu erlangen. In Metaanalysen kommen die Daten sehr vieler Patienten zusammen und erlauben eine zuverlässigere Aussage über die Wirksamkeit der Therapien.

Die Cochrane Collaboration bietet auch Laien die Möglichkeit mitzuarbeiten: Sie sucht Freiwillige, die aus großen Datenbanken zur medizinischen Fachliteratur die RCTs herausfischen. Die Cochrane Collaboration baut daraus eine eigene Datenbank nur mit RCTs auf, um für ihre Metaanalysen schneller an die richtigen klinischen Berichte zu gelangen. Für die Mitarbeit muss man englische Texte gut lesen können, benötigt aber keine medizinischen Vorkenntnisse. Schon zehn Minuten am Tag würden ihr helfen, sagt die Cochrane Collaboration. Die Datenbank enthält schon fast eine Million Fachartikel, und bis Weihnachten soll die Marke geknackt werden.

Mehr Informationen bietet die gemeinnützige Organisation auf dieser Website und in ihrem deutschsprachigen Blog.

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