Weniger Kinder pro Mann als pro Frau

Credit: LSOphoto/iStock

Bei der Erfassung der Geburtenrate stand bislang die Frau im Fokus – wie viele Kinder Männer im Durchschnitt in Deutschland bekommen, war hingegen unerforscht. Das hat sich nun geändert: Einer Max-Planck-Studie zufolge bekommen Männer durchschnittlich weniger und später Kinder als Frauen. Im Osten sind die Unterschiede dabei besonders stark. Wie nun klar wurde, haben die Männer in den 1990er Jahren dort sogar einen weltweiten Minimal-Rekord von 0,74 Kindern pro Person aufgestellt.

"Viele Fragen rund um Elternschaft und Familie werden hauptsächlich mit Blick auf die Frauen diskutiert", sagt MPIDR-Forscher Christian Dudel vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock. Das liegt ihm zufolge auch daran, dass es zum Verhalten der Männer bisher kaum Daten gibt. "Die Erforschung des Männerverhaltens beim Thema Kinderkriegen war bisher quasi ein blinder Fleck", so Dudel. Die neuen Ergebnisse könnte nun den Weg bereiten, das Thema endlich auch aus männlicher Perspektive besser zu untersuchen.

Besonders niedrige Rate bei ostdeutschen Männern

Konkret ergaben die statistischen Auswertungen von Dudel und seinen Kollegen: Die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Mann lag seit 1991 in jedem Jahr unter der Zahl der Kinder pro Frau. Im Jahr 2013 betrug die Rate der Männer 1,35 und die der Frauen 1,42. Im Detail betrachtet fiel dabei ein goßer Unterschied zwischen West und Ost auf: In den neuen Bundesländern hinken die Kinderzahlen pro Mann denen der Frauen um mehr als zehn Prozent hinterher: 2013 betrug die Geburtenrate der ostdeutschen Frauen 1,46, die der Männer 1,31. Im Westen liegt die Rate für Frauen bei 1,41, die für Männer rund vier Prozent niedriger bei 1,36 (Daten von 2013). Während das Verhältnis im Westen dem in vielen anderen entwickelten Ländern entspricht, sind die Unterschiede in den neuen Bundesländern außergewöhnlich, betont Dudel: "Die vergleichsweise niedrige Fertilität ostdeutscher Männer war bisher weitgehend unbekannt."

Doch wie kommt es überhaupt zu den Unterschieden der Geburtenraten bei Männern und Frauen? Ein wesentlicher Grund ist: Es gibt einen Männerüberschuss im sogenannten "reproduktiven Alter", in dem Frauen oder Männer gewöhnlich Kinder bekommen. Die Geburtenrate ist die Zahl der geborenen Babys geteilt durch alle Männer oder Frauen im reproduktiven Alter – inklusive derer, die kinderlos bleiben. Die gleiche Zahl an Kindern wird also auf mehr Männer als Frauen aufgeteilt – und entsprechend ist die Rate für die Männer kleiner.

Männerüberschuss

Wie sich jetzt herausgestellt hat, war dieser Effekt 1994 im Osten besonders ausgeprägt: Mit nur 0,74 Kindern pro Mann erreichte die Geburtenrate einen weltweiten Minimal-Rekord beim Menschen. Bisher galt die Rate der ostdeutschen Frauen aus dem Jahr 1994 als weltweit niedrigster Wert. Ursache des hohen Männerüberschusses im Osten war und  ist vor allem die Abwanderung junger Menschen in die alten Bundesländer in den Neunziger- und Nullerjahren. Damals verließen mehr Frauen als Männer die neuen Bundesländer. Dadurch blieb die Geburtenrate der Männer im Osten in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre um 15 Prozent hinter der der Frauen zurück.

Während die Geburtenraten der Frauen im Osten die der Frauen im Westen inzwischen überholt hat, bleibt die Ost-Rate der Männer weiter hinter der im Westen zurück, berichten die Forscher. Langfristig könnten diese niedrigeren Werte auch problematisch werden. Denn kleinere Fertilitätsraten bedeuten natürlich weniger Nachkommen, die sich um die betreffenden Männer im Alter kümmern können.

Neben den Informationen zu den Geburtenraten, hat die Studie auch Informationen über das Alter von Vätern aufgedeckt. Im Durchschnitt sind die Männer demnach bei der Geburt ihrer Kinder drei Jahre älter als die Mütter. Obwohl Männer auch ausgesprochen späte Väter sein können, ist dieser Aspekt aber weniger ausgeprägt, als man vermuten könnte:  Nur sechs Prozent werden noch mit über 45 Jahren Vater - bei Frauen sind es 0,2 Prozent. Väter wie Charlie Chaplin, der in seinen späten Siebzigern sein elftes Kind bekam, sind in Deutschland also selten.

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