Der Rauch um Bond im Visier

Bild: rami_hakala/iStock

Millionen Fans sahen, wie der coole 007 und andere Protagonisten der berühmten Bond-Reihe rauchten... Wie hat sich diese demonstrative Qualmerei im Laufe der Jahre entwickelt? Dieser Frage sind nun neuseeländische Forscher umfassend auf den Grund gegangen. Erst seit 2002 raucht der Held demnach nicht mehr selber, er ist aber noch oft passiv dem Qualm anderer ausgesetzt. Es gibt nur eine Ausnahme: Casino Royale von 2006 war rauchfrei. Die Forscher betonen die vermutlich erhebliche Werbewirkung der Bond-Reihe für das gesundheitsschädliche Laster.

Mit "Dr. No" fing es 1962 an, der letzte Bond-Streifen war "Spectre" im Jahr 2015 – insgesamt gab es 24 Bond-Filme. In ihnen spiegeln sich interessante kulturelle Entwicklungen dieser Zeitspanne wider, weshalb sie schon oft im Fokus von Wissenschaftlern standen. Nick Wilson und  Anne Tucker von der University of Otago in Wellington haben sich nun das Thema Rauchen vorgenommen. Sie erfassten dazu in allen Bond-Folgen systematisch jegliche Bezüge zum Thema Rauchen und werteten anschließend ihre Daten aus.

Die erste Zigarette nach 20 Minuten

Ihren Ergebnissen zufolge rauchte Bond in den Folgen der 60er Jahre noch sehr häufig – danach wurde es langsam kontinuierlich weniger. In der Zeit seines filmischen Raucher-Daseins zündete er sich im Durchschnitt in den ersten 20 Minuten des Films schon die erste Zigarette an, berichten die Forscher. Vor allem in den Filmen der 1970er Jahre machten dann auch Zigaretten oder Rauch-Utensilien als raffinierte Bestandteile der Spion-Ausrüstung Filmkarriere – beispielsweise Zigaretten, die Mini-Raketen abfeuern konnten.

Zigarettenmarken wurden zweimal in Bondfilmen gezielt präsentiert, berichten Wilson und   Tucker: Marlboro 1979 in "Moonraker" und die Zigarettenmarke Lark 1989 in "License to Kill". Den beiden Forschern zufolge hatte sich der Tabak-Konzern Philip Morris dieses sogenannte product placement geleistet, weil man sich von der weltweiten Begeisterung für Bond einen speziellen Werbeeffekt versprach: Philip Morris wollte auf dem japanischen Zigarettenmakt punkten.

Die Bond Girls rauchen weiter

Bond selbst drückte im Streifen "Die Another Day" von 2002 zum letzten Mal eine Zigarette aus, berichten die Wissenschaftler. Die zahlreichen Gespielinnen von 007 rauchten im Verlauf der Bond-Reihe zwar ebenfalls immer seltener, die Raucherinnen verschwanden aber nicht ganz – "Skyfall" von 2012 ist dafür ein Beispiel. Die kurze Dauer der Amouren ist für Bond in diesem Fall gesundheitlich durchaus vorteilhaft, sagen die Forscher mit einem Augenzwinkern.

Nur "Casino Royale" von 2006 war bisher ganz zigarettenfrei – zum Standard avancierte dieses Konzept allerdings nicht. Nach wie vor ist Bond  passiv Qualm ausgesetzt. Im letzten Film "Spectre" ist zwar keine Bond-nahe Person mehr mit einer Zigarette zu sehen, aber einige Figuren des Film qualmen immer noch.

Das Resümee der Forscher lautet: Obwohl ein erfreulicher Abwärtstrend beim Rauchen im Verlauf der Bond-Reihe festzustellen ist, bleibt der vorhandene Zigaretten-Werbeeffekt der gesamten Staffel doch enorm groß und somit problematisch. Das gilt vor allem für die weiterhin immer wieder gern gesehenen älteren Folgen, in denen Bond auch noch selbst raucht.

Erneut humorvoll bemerken die Autoren dazu allerdings: Alternativ betrachtet passt ja das Rauchen in gewisser Weise zum gesundheitlich riskanten Stil des Helden. Kugeln pfeifen ihm um die Ohren, er gibt zu viel Gas beim Autofahren und bechert oft tüchtig Alkohol... Rauchen reiht sich in diese lebensgefährlichen Gewohnheiten also eigentlich gut ein, meinen Wilson und Tucker.

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