Editor's Pick: Das Erbe eines Edutainers

Hans Rosling (1948-2017) (Foto: Gapminder/Stefan Nilsson)

Der Statistiker Hans Rosling ist gestorben. Seine Lebensaufgabe war, den Menschen die Welt zu erklären: mit anschaulichen Statistiken und einer Prise Humor. In kurzen Videos kann man seine Botschaften nachhören, empfiehlt der bdw-Chefredakteur.

Eigentlich wollte ich diese Woche über Energieprognosen der Bundesregierung schreiben, die seit Jahrzehnten konstant daneben liegen. Zieht die Politik ihre Schlüsse aus den falschen Prämissen?, wollte ich fragen. Dann stieß ich auf einen Bericht der "Daily Mail", in dem ein angeblicher Skandal der US-Umweltbehörde NOAA vorgestellt wird: Sie habe die globalen Temperatur-Statistiken überarbeitet und die endgültige Prüfung nicht abgewartet, um noch vor dem entscheidenden UN-Klimagipfel in Paris einen steileren Temperaturanstieg zu präsentieren. Zahlreiche Klimaforscher gehen seitdem ins Detail, um zu verdeutlichen, dass an diesen Vorgängen nichts Skandalöses ist (zum Beispiel hier und hier). Aber dann ist am gestrigen Dienstag der schwedische Statistiker Hans Rosling im Alter von 68 Jahren an Krebs gestorben – und viele Journalisten, Blogger und Wissenschaftler erinnern an ihn. Rosling hat sich über viele Jahre darum bemüht, statistisches Wissen auf besonders anschauliche Weise zu vermitteln. Die anderen Themen verschiebe ich daher auf die nächsten Wochen.

Der britische "Guardian" zitiert aus einem Interview mit Rosling, in dem er beklagt, er sei zwar bekannt geworden, habe aber das statistische Grundwissen nicht wirklich verbessert. Wenn er heute frage, wie viele Kinder eine Frau in Bangladesch zur Welt bringe, dann würden die meisten immer noch sagen: vier bis fünf. Dabei ist dort die Rate in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken – auf zuletzt durchschnittlich 2,2 Kinder pro Frau. Er sei ein herzerfrischender Optimist gewesen, lobt der ScienceBlogger Florian Aigner und verlinkt auf einige kurzweilige Vorträge Roslings. Und der ScienceBlogger Christian Reinboth sieht Rosling in einer Liga mit Carl Sagan und erklärt, wie wichtig der richtige Umgang mit Statistiken ist, wenn lauter Falschnachrichten durch die Medienwelt sausen.

Fakten helfen gegen Vorurteile

Um ein Beispiel für Roslings Arbeit zu nennen: Der Wissenschaftsjournalist Kai Kupferschmidt hat ihn während der Ebola-Epidemie in Westafrika getroffen und auf der Website des Wissenschaftsmagazins "Science" darüber berichtet. Roslings Mantra: Die afrikanischen Ärzte und Behörden arbeiten ziemlich gut, und sie können auch mit einer gefährlichen Epidemie umgehen. Das Ganze kam nur ins Rollen, weil kleine, sehr arme Bevölkerungsgruppen keinen Zugang zum Gesundheitssystem haben. "Es genügt nicht, dass 90 Prozent Zugang zu einer elementaren medizinischen Versorgung haben", sagt Rosling in einem Video. "Jeder muss Zugang haben ... So stoppt man Ebola gleich zu Beginn."

PS: Das Wissenschaftsmagazin "Nature" hatte Rosling kurz vor Weihnachten porträtiert und auch zu einem Test des statistischen Weltwissens eingeladen. Ich hatte damals in dieser Rubrik darüber berichtet.

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