Heikle Klima-Schäden für die US-Wirtschaft

Regionale jährliche Schäden für das mögliche Klima von 2080 bis 2099. Grüne Bereich weisen auf wirtschaftliche Vorteile hin. (Credit: Hsiang, Kopp, Jina, Rising, et al., Science, 2017)

"America first!" Auch die US-Klimaforscher geben den Vereinigten Staaten oberste Priorität und liefern Donald Trump nun erneut einen Denkzettel: Der Klimawandel wird der US-Wirtschaftsleistung nicht nur generell schaden sondern vor allem das wirtschaftliche Ungleichgewicht kritisch verschärfen, ergab ihre Studie. Im Gegensatz zum reichen Norden und Westen drohen demnach dem ohnehin schon armen Mittleren Westen und vor allem dem Süden der USA Einbußen von bis zu 20 Prozent.

Wie wird sich der Klimawandel auf einen der wichtigsten Treibhausgas-Produzenten der Welt auswirken – auf die USA? Dieser Frage muss man nicht pauschal, sondern detailiert nachgehen, sind die Forscher um Solomon Hsiang von der University of California in Berkeley überzeugt. Bis auf die Ebene von Counties haben sie nun erstmals ermittelt, wie sich der Klimawandel auf die wirtschaftliche Leistung in den verschiedenen Regionen der USA auswirken wird. Aspekte wie landwirtschaftliche Erträge, Küstenschäden, Energiekosten, Gesundheit, Sterblichkeit, Kriminalität, Arbeitsleistung und direkte Schäden beispielsweise durch Naturkatastrophen flossen in ihre Modelle ein.

Kostspielige Wärmegrade

Unterm Strich zeichnete sich ab: Auf nationaler Ebene betrachtet könnte das Bruttoinlandsprodukt der USA für jedes Grad Erwärmung um mehr als 1,2 Prozent sinken.  Je wärmer es dabei langfristig wird, desto mehr Einbußen bringt jeder zusätzliche Wärmegrad der US-Wirtschaft, sagen die Forscher. Verursacht werden die wirtschaftlichen Folgen unter anderem durch sinkende landwirtschaftliche Erträge, steigenden Stromverbrauch und sinkende Arbeitsleistung.

Doch der Verlust verteilt sich nicht etwa gleichmäßig, wie die Wissenschaftler betonen. Teile des reichen Nordens und Westens der USA sind kaum betroffen oder könnten von der Klimaerwärmung sogar profitieren. Die Last tragen hingegen der ohnehin schon vergleichsweise arme Mittlere Westen und vor allem der Süden der USA. Dort könnte es bis zum Ende des Jahrhunderts Einbußen von bis zu 20 Prozent des Bruttoninlandsprodukts geben, lautet die Prognose. "Wenn wir so weiter machen, dann könnte dies zum größten Transfer von Wohlstand von den Armen zu den Reichen in der gesamten US-Geschichte führen", sagt Hsiang.

Besonders den Süden und den Mittleren Westen wird es treffen

Für die Küstengebiete am Golf von Mexiko sagen die Forscher besonders gravierende Schäden voraus. "Der Meeresspiegelanstieg und die stärker werdenden Hurrikans sind ein enormes Risiko für die dortigen Counties. Hinzu kommt die Hitze, die die Stromkosten für Klimaanlagen in die Höhe treibt, aber auch Gewaltverbrechen fördert, die Produktivität von Arbeitern senkt und die Gesundheit und das Leben der Menschen bedroht", sagt Co-Autor Robert Kopp von der Rutgers University.

Ebenfalls stark betroffen wäre auch die "Kornkammer" der USA: der Mittlere Westen. "Hier drohen landwirtschaftliche Verluste ähnlich wie zur Zeit des Dustbowls in den 1930er Jahren", sagt Co-autor Amir Jina von der University of Chicago. Damals verwüsteten eine Dürre und anschließende Sandstürme die Region.

Im Hinblick auf das mögliche Scheitern der Bemühungen zum Eindämmen des Klimawandels äußert Hsiang abschließend einen bitter wirkenden Kommentar: "Wenn wir uns tatsächlich anpassen müssen, sollten wir wenigstens wissen, auf welche Regionen man sich konzentrieren muss. Wir haben Politikern nun Informationen geliefert, welche Regionen in den USA besonders verwundbar sind", so der Wissenschaftler.

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