Baumringanalyse zeigt: Dürre war schuld an Fieber-Epidemie vor 500 Jahren in Mexiko

In den Jahren 1545 und 1576 wurde Mexiko von jeweils einer furchtbaren Epidemie heimgesucht, die Millionen Menschen das Leben kostete. Bisher war man davon ausgegangen, dass die Epidemien durch die spanischen Eroberer verursacht worden seien. Sie hätten, so nahm man an, Krankheiten eingeschleppt, die bis dahin in Mexiko unbekannt waren. Dies stimmt offenbar nicht; schuld ist vielmehr eine jahrelange Dürre und die dadurch begünstigte Ausbreitung eines tödlichen Virus' ...
Eine Baumringanalyse von Wissenschaftlern der University of Arkansas erbrachte nun Klimadaten, die auf eine Dürre vor der fraglichen Zeit schließen lässt. Aufgrund einer Verkettung von Umständen wurde dadurch die Ausbreitung eines Virus begünstigt, der für den Menschen tödlich ist. - Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der Zeitschrift "Emerging Infectious Diseases".

Durch die Baumringanalyse, die ein Forscherteam um David Stahle sowie Rodolfo Acuna-Soto von der Universidad Nacional Autonoma de Mexico vorgenommen hatten, konnten sie die Niederschläge in Mexiko bis ins Jahr 1386 zurückverfolgen. Dabei zeigte sich, dass es im 16. Jahrhundert eine lange Dürreperiode gegeben hatte.

Außerdem studierten die Forscher aus dem 16. Jahrhundert stammende Aufzeichnungen über die Krankheit. Anhand der Symptome, die Francisco Hernandez, der Haupt-Arzt im damaligen Neu-Spanien war, konnten Stahle und seine Kollegen schließen, dass es sich bei der von den Eingeborenen "cocolitzli" genannten Krankheit um ein hämorrhagisches Fieber gehandelt haben muss. Zu den Symptomen gehörten hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Schwindelanfälle, Blutungen aus Augen, Mund und Nase, eine schwarze Zunge und dunkler Urin. Die von der Krankheit Befallenen starben innerhalb einer Woche. Wegen dieser Symptomatik konnte es sich bei den Epidemien nicht um die damals in Europa gefürchteten Pocken oder Masern handeln. Überdies war Hernandez die Krankheit nicht bekannt.

Bei der Frage, wie es zu dieser Epidemie kam, ziehen die Forscher die Geschichte der Hanta-Virus-Epidemie von 1993 heran. Sie brach ebenfalls nach einer großen Dürre aus und die Kranken zeigten ähnliche Symptome wie die von Hernandez beschriebenen. Die Wissenschaftler vermuten, dass Nagertiere, die als Erregerreservoir gelten, in Zeiten der Dürre enger zusammenrücken, um an Nahrung und Wasser zu gelangen. Dadurch wird die Verbreitung des Hantavirus, das die Nager als Wirt nutzt, begünstigt. Durch das enge Zusammensein der Nagetiere, kommt es zudem zu einer Vermehrung der Population. Sobald sich das Wetter ändert, verstreuen sich die Tiere mit dem Hanta-Virus in alle Himmelsrichtungen.
Doris Marszk


Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Eine kurzweilige Führung durch den Bienenstock mit einer erhellenden Dosis Wissenschaft – das bietet das Buch "Die Honigfabrik" von Jürgen Tautz.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe